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Archive für 11.3.2009
“Dieses geb ich zu Attest …” - Adel in der Oberpfalz
11.3.2009 von peter.staniczek.
Im Stadtmuseum Amberg hängt ein Kalksteinrelief des Bildhauers Georg Schweiger (1613-1690), das mit „großer Erzählfreude eine Fülle von Details“ wiedergibt, u.a. auch über die Lebensgewohnheiten des Adels im 16./17. Jahrhundert.
Hauptdarsteller des Reliefs ist der pfälzische Wittelsbacher Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz.
„Sein Vater, der evangelische Kurfürst Ludwig VI., starb 1583, als Friedrich neun Jahre alt war. Sein Onkel, Johann Casimir, setzte sich bei der Vormundschaft durch, und Friedrich wurde in der Lehre Kalvins erzogen. Seine Ehe mit Louise, der Tochter Wilhelms von Oranien, des Statthalters der Niederlande, brachte der Kurpfalz einen wichtigen Verbündeten in den Auseinandersetzungen mit dem Habsburger Kaiserhaus und der katholischen Kirche. Friedrich selbst war alles andere als eine Herrscherpersönlichkeit. Er liebte Jagdvergnügen, Maskeraden, Bälle und Glücksspiele um Geld.

(Quelle: Der Eisengau, 5/1995, Heimatkundl. Arbeitskreis Amberg-Sulzbach))
Hans von Schweinichen, der mit Herzog Heinrich von Liegnitz (Anmerkung: Schwiegervater des Pfalzgrafen Friedrich von Vohenstrauß, 1557-1597) 1593 einige Wochen am Hofe des damals 19jährigen Kurfürsten verbrachte, schrieb:
“Wir haben bei Pfalzgrafen in die dritte Woche stillgelegen und die ganze Zeit mit Saufen, Fressen und Tanzen zugebracht.” Friedrich ist “ein wunderlicher Herr, der nichts konnte als Saufen.”
Schon 1602, als sein Gesundheitszustand zu ernster Besorgnis Anlass gab, ordnete er die Huldigung seines sechsjährigen Sohnes Friedrich (des späteren Winterkönigs) an. 1610 starb er im Alter von 36 Jahren.
Im Studentenlied lebt er als jener “Kurfürst Friedrich von der Pfalz” fort, der “wütend wälzte sich im Bette”, weil er wieder in sein Tagebuch schreiben musste: “Heute wieder voll gewest”. Nun war übermäßiges Trinken damals eine weitverbreitete Unsitte an vielen Fürstenhöfen. Friedrichs Kammermohren, der ebenfalls in diesem Lied erwähnt wird, hat Schweiger ebenfalls mit ins Bild gebracht. Gekleidet in eine Art Lakaientracht mit enganliegendem, reich mit Rüschen besetztem Wams und weiter Kniebundhose läuft er mit einer Saufeder bewaffnet neben seinen Herrn.“
(Quelle: Otto Schmidt, Das Schweigerrelief im Amberger Stadtmuseum, in Der Eisengau, Band 5/1995, S. 71)
- Wütend wälzt sich einst im Bette
Wütend wälzt sich einst im Bette
Kurfürst Friedrich von der Pfalz
gegen alle Etikette
brüllte er aus vollem Hals
Wie kam gestern ich ins Nest?
Bin scheint´s wieder voll gewest!
Na, ein wenig schief geladen,
grinste drauf der Kammermohr,
selbst von Mainz des Bischofs Gnaden
kamen mir benebelt vor,
war halt doch ein schönes Fest:
Alles wieder voll gewest!
So? Du findest das zum Lachen?
Sklavenseele, lache nur!
Künftig werd ich’s anders machen,
Hassan, höre meinen Schwur:
’s letzte Mal, bei Tod und Pest,
war es, daß ich voll gewest!
Will ein christlich Leben führen,
ganz mich der Beschauung weihn;
um mein Tun zu kontrollieren,
trag ich’s in mein Tagbuch ein,
und ich hoff, daß ihr nicht lest,
daß ich wieder voll gewest!
Als der Kurfürst kam zu sterben,
machte er sein Testament,
und es fanden seine Erben
auch ein Buch in Pergament.
Drinnen stand auf jeder Seit:
Seid vernünftig, liebe Leut,
dieses geb ich zu Attest:
Heute wieder voll gewest
Hieraus mag nun jeder sehen,
was ein guter Vorsatz nützt,
und wozu auch widerstehen,
wenn der volle Becher blitzt?
Drum stoßt an! Probatum est:
Heute wieder voll gewest!
Text: August Schuster 1887
Geschrieben in Kultur, Heimatgeschichte, Literatur, Allgemein | Keine Kommentare »