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Archive für 30.5.2010
Lehrer und Aufschläger
30.5.2010 von peter.staniczek.
“1817 war der „mit Ruhm” bekannte „Schullehrer und Aufschläger” Joseph Ritter „im 73. Jahre seines tätigen Lebens dahingeschieden”, wie wir auf dem von seinem Schwiegersohn und Nachfolger Johann Michael Allio gesetzten, nun in die Außenmauer der neuen Friedhofkapelle eingelassenen Gedächtnisstein lesen können. Allio wirkte 3 Jahre als Hilfslehrer und 40 Jahre als Lehrer in Eslarn und starb als „Liebling des Magistrats” am 16. Juli 1854.” (aus Hans Schlemmer, Geschichte des Marktes Eslarn, 1960, 31)
Die aktuelle Debatte ließe vermuten, dass der Schullehrer Ritter auch einer war, der ab und zu seine Schutzbefohlenen mit oder ohne Stock/Rute gezüchtigt bzw. geschlagen hat. Aber Aufschläger war die Berufsbezeichnung für einen Erheber der Akzisen (Zoll), der indirekten Aufwandssteuern, z. B. der Biersteuer. Joseph Ritter war also nebenberuflich Steuereinnehmer.

Schullehrer und Aufschläger, Friedhofkirche Eslarn, Foto: P. Staniczek
Bei Josef Hanauer, dem neben Hans Schlemmer zweiten bedeutenden Eslarner Chronisten, finden wir weitere Aufschlüsse über den Schullehrer Josef Ritter sowie den “Liebling des Magistrats” Michael Allio:
“Seit 1771 war der Schulunterricht dem Lehrer Georg Joseph Ritter anvertraut. Er war selbst gebürtiger Eslarner, dessen Vater ebenfalls die Lehrerstelle in Eslarn innegehabt hatte. Ritter, Vater von fünf Kindern, wird als tüchtiger und fleißiger Mann bezeichnet. Neben seinem Dienst als Lehrer machte er noch den Kantor beim Gottesdienst; außerdem versah er den Mesnerdienst. Am 2. Juni 1814 wurde er in den Ruhestand versetzt, und zwar nach 51-jähriger Dienstzeit. 43 Jahre davon hatte er als Lehrer in Eslarn verbracht. Als er den Schuldienst aufgab, war er 72 Jahre alt.
Sein Nachfolger wurde der bisherige Schulgehilfe Michael Allio. Dieser hatte bereits im Jahr 1812 den Auftrag erhalten, den 70-jährigen Lehrer Ritter im Kirchendienst als Kantor zu unterstützen. Das Schulhaus besaß damals lediglich ein einziges Zimmer. Dieses war in Anbetracht der großen Schülerzahl viel zu klein. Der Lehrer verfügte nur über ein einziges Wohnzimmer. Überdies befand sich das Schulhaus in einem äußerst schlechten Zustand. Von Jahr zu Jahr wurde das Gebäude ruinöser. Im Jahr 1814 besaß der Lehrer nicht einmal ein ordentliches Wohnzimmer, viel weniger ein Nebenzimmer oder eine Kammer. Dem Gehilfen Allio diente das einzige Schulzimmer als Wohn- und Schlafstätte. Auch nachdem er als Lehrer angestellt worden war, änderten sich die üblen Zustände nicht. In einem einzigen Raum mussten 236 Kinder unterrichtet werden. Weil das Schulzimmer zu klein war, wurde der Plan gefasst, das Nebenzimmer mit dem Unterrichtsraum zu vereinigen und dem Lehrer dafür ein Zimmer über dem Keller zu bauen. Das Schulzimmer wurde zwar im Jahr 1806 durch Vereinigung mit dem Nebenzimmer zu hinlänglicher Größe gebracht, aber ein Zimmer für den Lehrer zu bauen, hielt man für überflüssig. Am 29. Juli 1816 kamen Vertreter des Landgerichts Vohenstrauß mit Vertretern des Marktes Eslarn zusammen. Dabei wurde den Eslarnern vorgehalten, „dass das hiesige Unterrichtslokal einem Schafstalle gleiche, und daher einer Reparatur dringend bedürfe, dass die Wohnung des Lehrers und des Mesners jener eines Schäfers ähnlich sei”. Erst im Jahr 1818 wurde der Anbau des geplanten Zimmers für den Lehrer vorgenommen. Aber damit war nicht viel gedient; denn dieser Anbau wurde nicht zu Ende geführt und war darum unbewohnbar. Im Jahr 1834 beschwerte sich deswegen Lehrer Allio bei der Schulinspektion in Eslarn. Dem Lehrer mit seiner Familie und dem Lehrgehilfen stand damals nur ein einziges kleines heizbares Zimmer zur Verfügung. Im Jahr 1839 wurde beschlossen, das Schul- und Mesnerhaus auszubauen. Dabei war ein gesondertes Zimmer für den Schulgehilfen vorgesehen. Der Anbau wurde tatsächlich noch im Jahr 1839 erstellt.”
(aus Josef Hanauer, Heimatbuch Eslarn,1975,190-191)
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Oberpfälzer Kulturlandschaft
30.5.2010 von peter.staniczek.
Oberpfälzer Kulturlandschaft - zwischen Lerau und Leuchtenberg (P. Staniczek, 26.05.2010)
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… staoußt mi im Mai, kumm i glei
30.5.2010 von peter.staniczek.
“Staoußt mi im April, kumm i, wann i will - staoußt mi im Mai, kumm i glei!”

“Erdepflfeld” bei Niederland (Markt Moosbach), Foto: P. Staniczek, 25.05.2010
- Erdepfl in da Fröih, Middoch in da Bröih,
Af d’ Nacht in de Heit, Erdepfl in Ewichkeit!
Nicht umsonst gehörte dieser typische Ausspruch lange Zeit zur „Erdäpfelpfalz”, wenn er auch vor allem für die Fastenzeit galt. Auch heute noch ist die Oberpfälzer Speisekarte ohne vielfältige Kartoffelgerichte nicht denkbar.
Die Kartoffel gelangte wahrscheinlich Anfang des 18. Jahrhunderts in die Oberpfalz (Anbau um 1690 auf zehentpflichtigen Höfen in Wiesau, Speinshart, Pullenreuth u. Falkenberg).
Einem „Kaufbrief über Wolf Peßl’s von seinen Eltern gekauften halben Hof zu Altenstatt” bei Vohenstrauß, einem Übergabevertrag, können wir entnehmen, dass dabei der Austragsbäuerin schon im Jahre 1729 das Recht, „im Garten 2 Beet Erdäpfeln” an zu bauen, gestattet wurde.
Lange Zeit hatte Kaimling in dem Ruf gestanden, die ersten Kartoffeln weit und breit angebaut zu haben. Der Gütler Zihlbauer von dort hatte im Jahr 1752 vier Napf Samenkartoffeln aus dem Schloss gestohlen und auf der Weinleite angebaut.
In den Hungerjahren 1769 bis 1772 wurde wohl durch die große Not der Wert der Kartoffel, die bis zu diesem Zeitpunkt eher vereinzelt als Viehfutter angebaut wurde, für die menschliche Ernährung erkannt.
Oberpfälzer Knödel kennen alle Besucher unserer Heimat, seidene Knödel, Kartoffelschmarrn, gebackene „Spotzn”, Kartoffelnudeln, Bauchstecherla, Zwetschgenknödel, Bröselbart, Sterzschopperla und Dotsch finden selbst die Einheimischen nur noch selten auf dem Mittagstisch.
Ein Denkmal für den Gastwirt, der solches wieder anstelle der unvermeidlichen Pommes Frites anbietet.
Anm.: staoußen = hier: stecken, pflanzen (von Saatkartoffeln in den Boden), sonst: stoßen
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