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Archive für November 2008
Vohenstrauß - ein rätselhafter Ortsname!
5.11.2008 von peter.staniczek.
Immer wieder taucht bei Urlaubsgästen, Besuchern und Einheimischen die Frage nach der Deutung des Namens, Wappens und Siegels von Vohenstrauß auf und in der Tat, sie kann bis heute nicht beantwortet werden, trotz intensiver Forschung. Wissenschaftler und Heimatkundler kamen zu unterschiedlichsten Ergebnissen, die in einem Beitrag von Therese Weiß für die Streifzüge zusammengestellt wurden.
Das Bayer. Städtebuch von 1974 (Teil II, S. 703) hält dabei die Zusammensetzung des Ortsnamens aus dem mhdt. Vohe = Füchsin und einer Ablaufform zu mhdt. drozze = Drossel, Kehle für am wahrscheinlichsten: „Der Ortsname ginge demnach auf einen formvergleichenden Flurnamen zurück, der eine Geländeform mit der Kehle einer Füchsin vergleicht”.
Selbst das jüngere Lexikon bayerischer Ortsnamen (W. A. Frhr. V. Reitzenstein, Lexikon bayerischer Ortsnamen, Beck, S. 385) bringt denselben Wortlaut.
Prof. Dr. Albrecht Greule schreibt nun in der Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte (Band 70, Heft 2, 2007, C. H. Beck, S. 616) zum Erscheinen des neuen Lexikons bayerischer Ortsnamen (v. Reitzenstein, 2006) in seinem Aufsatz “Herkunft und Bedeutung der Ortsnamen” zu Vohenstrauß: “Da unter Berücksichtigung der Mundart / fouedra:s / von vorbair. *Fōhendrāti- auszugehen ist, scheint die vorgeschlagene Verbindung mit mhd. Drozze >Schlund, Kehle< nicht wahrscheinlich.“
Und die Suche geht von vorne los.
Anlässlich eines Vortrags von Prof. Dr. Albrecht Greule und Dr. Wolfgang Janka beim Heimatkundlichen Arbeitskreis in Vohenstrauß am 31.07.2001 zum Thema "Gewässernamen verraten Heimatgeschichte" (Streifzüge 23/2002, S. 4-17) wurde u. a. der Ortsname Treswitz (also in Alten-Treswitz und Burg-Treswitz) aufgrund der Belege auf die Grundform "Dražovici" zurückgeführt, was zum Personennamen "Draž", versehen mit dem Zugehörigkeitssuffix -ov, führe. Es sei schließlich noch mit dem patronymischen Suffix "-ici" versehen, was etwa als "Leute des ..." zu verstehen sei. Der Ortsname bedeute daher "Bei den Leuten des Draž".
Dr. Janka verneinte einen analogen Zusammenhang mit dem Ortsnamen "Vohenstrauß-Vohendrezze-Vouadraz". Man könne dieses "-draž" nicht ohne Suffix als Siedlungsname ansehen und daher sei diese Ableitung auf jeden Fall auszuschließen. Man sei hier nämlich ziemlich ratlos!
Da die Landnahme im frühen Mittelalter in unserer Region durch Slawen erfolgte (slawische Friedhöfe rund um den Rauhen Kulm bei Wirbenz, Mockersdorf, Eichelberg und am Barbaraberg bei Speinshart), könnte es sich durchaus bei Vohenstrauß um einen slawischen oder um einen sog. Mischnamen handeln.
Bei der letzten Lektüre des Büchleins "Der Fahrenberg" von Hans May (erschienen im Selbstverlag, München 1904, S.49) fiel mir ein bisher vernachlässigter Zusatz auf, der bei der Weihe der Kirche in "Vohendreze" (ecclesia in veteris civitatis = Altenstadt) durch Bischof Otto von Bamberg im Jahre 1124 auftaucht. Hans May schreibt: "Am 19. [Mai] spendete er einer Volksmenge, gegen 6000 aus der ganzen Umgegend, die hl. Firmung. Da begann das Volk alsbald Gott zu danken [...] und es freute sich dem engelgleichen Bischof nicht nur die Hände, sondern auch die Füße zu Küssen [...] (Jaffe, Mon. Bamb. 751). Der Fußkuß ist slavischer Brauch." Ein unbekannter Teil der Firmlinge dürfte durchaus slawischer Herkunft gewesen sein.

Schläfenringe aus Silber vom slawischen Gräberfeld auf dem Barbaraberg bei Speinshart im Landkreis Neustadt a. d. Waldnaab, ca 1000 v. Chr., Grabung 1992 (Foto Peter Staniczek)
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Kuckuck, wo bist du?
2.11.2008 von peter.staniczek.
Der Kuckuck ist/war der Vogel des Jahres 2008 und wird 2009 abgelöst vom “fliegenden Edelstein”, dem auch in unserer Region vorkommenden Eisvogel. Ausführliche kulturhistorische Betrachtungen finden sich auf den Seiten des NABU (Naturschutzbund Deutschland e.V.)
Ein Kindervers aus der Oberpfalz macht nicht nur meinen Enkeln im Zwiegespräch eine Menge Spaß:
- Kuckuck, wo bist du?
- Aam Baam druum!
- Wos frisst du?
- An Speek!
- Gi ma a wos!
- An Dreek!

(wikipedia: Reed Warbler feeding a Common Cuckoo chick in a nest. Photo: Per H. Olsen)
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“man kann nicht mehr leben … von Politik, von Bilanzen”
2.11.2008 von peter.staniczek.
“Es gibt nur ein Problem, ein einziges auf der Welt.
Wie kann man den Menschen eine geistige Bedeutung, eine geistige Unruhe wiedergeben; etwas auf sie herniedertauen lassen, was einem gregorianischen Gesang gleicht!
Sehn Sie, man kann nicht mehr leben von Eisschränken, von Politik, von Bilanzen und Kreuzworträtseln. Man kann es nicht mehr. Man kann nicht mehr leben ohne Poesie, ohne Farbe, ohne Liebe. Wenn man bloß ein Dorflied aus dem 15. Jahrhundert hört, ermisst man den ganzen Abstieg.”
Diese Sätze von Antoine de Saint-Exupéry in einem berühmten, aber nicht abgeschickten Brief - vermutlich an General Béthouart - haben bis heute, auch angesichts der politischen und weltwirtschaftlichen Krisen ihre Bedeutung nicht verloren. So sollte Kulturpolitik sein, die dem innersten Anliegen der Menschen wieder einen Sinn gibt.
(Brief geschrieben in La Marsa, in der Nähe von Tunis, im Juli 1943. Erschienen in Le Figaro littéraire, No 103 vom 10. April 1948. Abgedruckt in Un sens à la vie, Gallimard, 1956)

(Foto: Peter Staniczek, Schafferhof in Neuhaus am 03.10.2008)
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