Archive für März 2010

“Ich bin jeden Tag in der Früh positiv überrascht, dass ich am Leben bin

und dass ich keine großen Schmerzen habe - dass ich jetzt schon 70 Jahre Zeuge der Entwicklung bin und mich an dieser Entwicklung als Schriftsteller aktiv beteiligen kann. Darüber hinaus habe ich keine großen Wünsche.”
(Gespräch mit Pavel Kohout in: Oberpfälzer Nachrichten vom 6. Juli 1999, Jürgen Herda)

Pavel Kohout im Schloss Friedrichsburg , Vohenstrauß, Rundschau 24.06.1999
10 Jahre sind´s: “Der Heimatpfleger führte durch die Friedrichsburg ”
(Pavel Kohout im Schloss Friedrichsburg , Vohenstrauß, Aktuelle Oberpfälzer Rundschau 24.06.1999, Foto: Jürgen Herda)

Interview Kohout - Herda, letzte Frage:

Herda: Sie haben gesagt. Sie kommen alle 14 Jahre nach Weiden. Könnte man das eventuell abkürzen? Sie könnten beispielsweise im provisorischen Theater auf der Friedrichsburg, die wir gestern besuchten, eines ihrer Stücke inszenieren.

Kohout: Nein, inszenieren werde ich sicher nicht mehr, das ist für mich bereits eine Zeitvergeudung. Aber das wäre natürlich eine schöne Vorstellung, dort irgendetwas zu machen. Wenn es geht, folge ich den Einladungen, die ich bekomme, wenn es nicht geht, dann entschuldige ich mich, weil ich auch kein Sklave meiner Arbeit bin.

Anm.: Pavel Kohout (* 20. Juli 1928 in Prag) ist ein tschechisch-österreichischer Schriftsteller und Politiker, Mitverfasser und Unterzeichner der Charta 77, lebt in Prag und Wien.

“Oi Reiser macht koin Besen!” (Franz X. von Schönwerth)

Alles über Franz Xaver von Schönwerth finden Sie auf der abgebildeten Seite im Internet.

schoenwerth.de

Um den Veranstaltungskalender zu ergänzen, bitte ich um Mitteilung der schon fest terminierten bzw. geplanten Veranstaltungen im Landkreis Neustadt an der Waldnaab an

      peter.staniczek(at)t-online.de
      oder direkt an
      a.e.eichenseer(at)t-online.de

Ersetzen Sie (at) durch @.
Damit ein Besen draus wird.

“Oimal um an Mack” - Werbung

“In der Friedrichstraße 1 befand sich das Textilgeschäft Schönberger/Munzert. Noch gut erinnere ich mich an die große Auswahl an bunten Kittelschürzen, die damals modern waren sowie an das alte Ford-Automobil des Besitzers aus den 20er Jahren. Nach Uhren und Schmuck Großmann kam der Gasthof Franzljohann mit den besten Sulzn, am Wochenende auch im Straßenverkauf, schwärmt Aichinger.” (Der neue Tag, 28.02.2010)

Im liebevoll, “denkmal”-gerecht sanierten Anwesen Friedrichstraße 3 (Jungadler), in den fünfziger Jahren Uhren-Großmann, befindet sich heute ein Versicherungsgeschäft mit dezent aufgemalter Werbeschrift.

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Friedrichstraße 3 (Foto: Peter Staniczek)

“Oimal um an Mack” - Heiner Aichinger erinnert sich

Eine vielbeachtete kleine Serie unter dem Titel “Einmal um den Markt gehen” brachte die lokale Tageszeitung “Der neue Tag” am 20.02./27.02./06.03.2010: “An die Zeit vor 50 Jahren erinnert sich Heiner Aichinger bei einem Spaziergang. Viele Läden und Geschäfte sind heute nur noch vom Hörensagen bekannt.” Im Heimatmuseum der Stadt Vohenstrauß wurden von interessierten Lesern etwa 20 Exemplare der Streifzüge 17/1996 (”Chaisenhardl, Zacherbarthel, Türkenschmied”, Hrsg. Heimatkundlicher Arbeitskreis) gekauft.

Eine am “Mack” wohnende Bürgerin überließ H. Aichinger nun ein Foto vom Marktplatz, das etwa Mitte der fünfziger Jahre entstanden sein dürfte. Es zeigt eine Feuerwehrübung mit dem damaligen Kommandanten Ernst Hug (ab 1954), beobachtet von zahlreichen Zuschauern.

Marktplatz Vohenstrauß

Die einzelnen Anwesen auf der östlichen Marktplatzseite sind mit den heutigen Hausnummern markiert:
Nr. 16: “Binder-Girgl”, das Anwesen Eisen-Kohler mit dem heute noch charakteristischen Namenszug über dem Schaufenster;
Nr. 14: Hausname “Panzer”, vormals Praxis des Chirurgen Dr. med. Hans Krauß, Großvater von Dr. med. Dr. rer. nat. Franz Kraml, in den Fünfzigerjahren Schaml-Apotheke, heute im Erdgeschoss ein Spielwaren- u. Modellbaugeschäft;
Nr. 12: “Remerer”, Mesner Dietl Johann, heute ein Versicherungsbüro;
Nr. 10: “Landgrafenhaus”, unteres Bamler-Modegeschäft (Richard Bamler), heute Stadt-Apotheke;
Nr. 8: “Egidl”, heute Versandhausgeschäft, Textilien;
Nr. 6: “Bamler”, ehemals oberes Bamler-Modegeschäft (Georg Martin Bamler) von Richard Bamler, zuletzt Imbiss/Lieferservice

“Gratisseidl fir Frankenbeitl”

Der Bürgermeister von Neustadt an der Waldnaab hatte vor kurzem eine originelle Vermarktungsidee. Unter der Überschrift “Freibier für Franken” lesen wir in “Der neue Tag” vom 11.03.2010: “Er will den Bockl(rad)weg und andere Freizeitrouten vor allem Radlern aus dem Fränkischen schmackhaft machen. Die Idee: Jeder, der sich in der neuen Saison als Tourist aus Mittel-, Ober- oder Unterfranken ausweisen kann, erhält am “Radlpoint” am Nachtmann-Gelände ein Freigetränk.”
In bester “Neihauser-Feierwehr-Kapelln”-Manier schuf Stadtrat Joe Arnold spontan den entsprechende Oberpfälzer Werbeslogan: “Gratisseidl fir Frankenbeitl” (Freibier für Franken).
Professor Dr. Ludwig Zehetner (Honorarprofessor für bairische Dialektologie an der Universität Regensburg), der erst kürzlich in Weiden aus seinen vergnüglichen Büchern las, würde wohl von “wunderbarer nordbairischer Poesie” sprechen.
Und den Franken gefällt es sicher auch, siehe Veitshöchheimer Fastnacht. Darauf ein

Freibier für Franken

Jeder Band von “Basst scho!” bietet Erläuterungen zu Bedeutung und Herkunft von Wörtern und Formen des Bairischen. Dem Autor gelingt dabei die Gratwanderung zwischen wissenschaftlicher Korrektheit und lockerem Plauderton. Dr. Ludwig Zehetner ist übrigens auch Mitbegründer und Ehrenvorsitzender der AFO (Arbeitskreis für Flur- und Kleindenkmalforschung
in der Oberpfalz e. V.).

“Herzlichen Glückwunsch, Thomasgschießer”

Bayerns lustigster Ortsname war gesucht worden und Thomasgschieß wurde von den Zuschauern der Sendung des BR “Wir in Bayern” zum Sieger gewählt. Auf den Plätzen landeten Pumpernudel und Katzenhirn. “Zur Feier des Tages wird kräftig geodelt.” Die Moderatoren schütteln sich vor Lachen.

Thomasgschieß (Foto P. Staniczek)
Thomasgschieß auf ebenem Weg von Bruckhof (Foto: Peter Staniczek)

Natürlich stellt sich die Frage nach der Bedeutung des Ortsnamens Thomasgschieß.

Dazu befragte man zunächst die Ortsbewohner des Ortsteils der Gemeinde Eslarn (Landkreis Neustadt/Waldnaab). Sogar Jesus wird bemüht, der, als er einen Hirsch sieht, gerufen haben soll: “Thomas schieß!”
Der Bürgermeister von Eslarn hat eine andere Erklärung, die er wohl dem “Heimatbuch Eslarn” von Josef Hanauer (2. Auflage, 1990) entnommen hat. Bei Hanauer heißt es:

    Gelegentlich wurde das Wort “Thomasgschieß” aus dem Slawischen abgeleitet; es wird als “Thomaskreuz” gedeutet. Aber es liegt kein Grund vor, auf das Slawische zurückzugreifen; denn “schieß” ist deutscher Herkunft und bedeutet so viel wie “abschüssige Stelle”.

Der Bürgermeister ergänzt: Man konnte nur bergab in den Ort gelangen.
Dem widerspricht der Zugang von Bruckhof aus, der recht eben nach Thomasgschieß führt.
Fast alle Orte im Oberpfälzer Wald haben eine so genannte Ökotopengrenzlage (Hansjörg Küster, Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa, München 1996, S. 177) am halben Hang, d. h. unterhalb zum Wasser im Tal die Wiesen, oberhalb die Äcker. Die Abschüssigkeit ist fast überall gegeben.

In Archiv von BR-online finden Sie Erklärungen von Dr. Wolf Armin v. Reitzenstein zu mehreren Ortsnamen.
Reitzenstein stellt eine Analogie zu einem Ort im Landkreis Cham her, nämlich dem Ort “Gschieß”. Dieser Name gehe auf ein mhd. Wort zurück und sei die Bezeichnung für die Giebelseite eines Gebäudes. Eine Gebäudeform, die also dazu geführt habe, dass man die Siedlung danach benannt habe. Hier sei der Besitzer namens Thomas vorangestellt worden, der den Ort besessen hat.

Leider habe ich die Bezeichnung Gschieß als Giebelform eines Gebäudes bisher außer bei Reitzenstein nur einmal im Internet gefunden: “Dabei stammt Gschieß vom mittelhochdeutschen Wort geschiez (Giebelseite eines Gebäudes) ab.”
Ich kann mir darunter nichts Rechtes vorstellen. Weder in Thomasgschieß noch in Trasgschieß (Stadt Vohenstrauß, Waldau) ist mir in dieser Hinsicht etwas Besonderes aufgefallen. Thomas als Besitzer eines Gebäudes mit besonderer Giebelform?

Hat der Thomas etwa gar “a Gschieß gmacht”? Martina Schwarzmann erklärt auf YouTube wie “Gschieß macha” abläuft:

Schlagen wir im Historischen Atlas von Dieter Bernd (München 1977) nach, finden wir einige Angaben zu dem Ort Thomasgschieß:

    Nach einer Beschreibung von 1596 umfasste das Pflegamt Pleystein folgende Ortschaften: …Burkhardsrieth, …Lohma, …Pfrentsch, …Thomasgschieß, …
    Ein Zinsregister von 1454 lässt erstmals im Zusammenhang die mit der Grundherrschaft zum Pflegamt Pleystein gehörenden Besitzungen sowie die Zehntrechte dieses Amtes erkennen: … als öd und verlassen werden die Ortschaften Braunetsrieth, Hagendorf, Lohma, Reinhardsrieth, Spielhof, Thomasgschieß und Weißenstein bezeichnet.
    Aus einem Salbuch des Amtes Pleystein von 1560 wird die Wiederaufbautätigkeit in den folgenden hundert Jahren sichtbar: …Thomasgschieß ist öd,; es soll auf 2 Höfe wieder erbaut werden.

Interessant wird es, wenn wir uns im Historischen Atlas dem Ortsnamen Trasgschieß zuwenden:

    Als Ulrich von Waldau zu Waldau seinen Söhnen 1483 einen Teil seiner Güter überließ, sind Besitzungen in den … zur Herrschaft gehörenden Ortschaften … Trasgschieß (Dresgesies) … genannt.

“Dresgesis” klingt nach “Gesess”. Im ältesten Leuchtenberger Lehenbuch werden die Besitzverhältnisse für die Zeit vor 1396 angesprochen. Es gab Güter, Lehen und ein “gesess zu Dressenveld mit seiner Zugehörung”, ein Herrensitz, auf dem Heinrich von Dressenvelt “gesessen” hat. (Quelle: Karl Ochantel, Der Burgstall Tresenfeld, in 60 Jahre Oberpfälzer Waldverein Vohenstrauß, 1985, s. 118)

Gesess, Gesis, Gschieß - meiner Meinung nach die logischste Bedeutungsableitung:
Thomasgschieß wurde benannt nach dem Herrensitz (Gesess) des Thomas, der den Ort wohl gründete und besessen hat.

“Das schöpferische Potential einer Region …

… beschränkt sich nicht auf die flächendeckende Ausrüstung mit Baumärkten.”

Irene und Werner Fritz von der Kulturwerkstatt Kalmreuth (in Der neue Tag, 8. März 2010)

Kulturwerkstatt Kalmreuth
Foto von der Homepage der Kulturwerkstatt Kalmreuth

Prager Straße - Mittelalterliche Fernstraße bei Neuwirtshaus (Vohenstrauß)

Prager Straße - Mittelalterliche Fernstraße bei Neuwirtshaus (Vohenstrauß) - P. Staniczek
Prager Straße - Mittelalterliche Fernstraße bei Neuwirtshaus (Vohenstrauß)

Im Volksmund “die Alte Heeresstraße”, auf historischen Karten “Prager Straße”, lokalgeschichtlich auch “Rennweg” genannt, erstreckt sich die frühmittelalterliche Fernstraße von Westen (Rhein-Main-Gebiet) über Nürnberg, Vohenstrauß und Waidhaus nach Pilsen, Prag weiter nach Osten. Zahlreiche Turmhügelburgen, urkundlich belegte Geleitrechte, Märkte, Städte belegen die Bedeutung und Wichtigkeit dieser kürzesten und meistbenutzten Ost-West-Verbindung. Auch die Bundesstraße B 14 und die Autobahn A 6 (Via Carolina) verlaufen logischerweise auf der Trasse dieser historischen Verbindung.
Daran kann auch der immense Verwertungsdruck einer vom Tourismus-Management aus dem Hut gezauberten “Goldenen Straße” (positives Bild) nichts ändern, die aus der historisch bedeutendsten Prager Straße eine “Verbotene Straße” (negatives Bild) propagiert. Nicht ganz unschuldig sind die Anliegergemeinden sowie deren Tourismus-Management, denn es geschieht wenig, um den Ruf der alten Trasse aufzuwerten.

Schneeschmelze im Pfrentschweiher

Schneeschmelze im Pfrentschweiher, Peter Staniczek, 27.02.2010
Schneeschmelze im Pfrentschweiher, Peter Staniczek, 27.02.2010

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