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Archive für März 2009
Mauern - Architektur der Sicherheit? Demonstration der Macht?
31.3.2009 von peter.staniczek.
Städte hatten früher das Privileg, sich mit Mauern zu umgeben. Das grenzte sie ab vom Land. Stadtluft bedeutete Freiheit, Landleben war mit Leibeigenschaft verbunden.
Mauern grenzten Feindliches und Unbekanntes aus, boten ihren Inwohnern Sicherheit, markierten Territorialität und Machtanspruch.
Auch heute verwenden Architekten noch Begrenzungsmauern als Gestaltungsmerkmal - Konstruktionen zur Abwehr angenommener Gefahren und Darstellung der territorialen Besitzverhältnisse. Mauern haben also heute noch dieselbe psychologische Funktion, die sie im Mittelalter hatten, sie trennen Nachbarn, verhindern Begegnungen, spalten ab, demonstrieren feudale Gesinnung und Macht.
Im Norden des Grundstücks deutet sich eine Schwelle, ein Übergang, wohl ein geplantes Tor an, ein bunkermäßiger Sehschlitz ermöglicht die Kontrolle über diese - territorial gesehen - “Schwachstelle”.
Deplatziert erscheint mir die Einbeziehung der historischen Gartensäulen in die triste Betonmauer im Osten des Grundstücks, die totale Abgrenzung zum Färbermuseum. Wollten die verantwortlichen Architekten eine mittelalterliche Stadtmauer mit Türmen zitieren oder nur einfach die doch sehr öde Betonmauer ästhetisch aufwerten?
Säulen dieser Art waren Träger von transparenten Zäunen, die ebenfalls das Gefühl von Sicherheit boten, aber Kommunikation und gute Nachbarschaft zuließen.
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Gratulation - Denkmalpreis für Förderverein Schloss Burgtreswitz
28.3.2009 von peter.staniczek.
Oberpfalznetz.de (Der neue Tag) vom 13.03.2009: “Förderverein freut sich über 12 500 Euro
Burgtreswitz. (gi) Große Freude herrscht beim Förderverein Schloss Burgtreswitz: Die Jury der Hypo-Kulturstiftung in München hat ihm den Denkmalpreis 2009 zuerkannt. Der mit 25 000 Euro dotierte Preis geht zur Hälfte nach Burgtreswitz. Die andere Hälfte erhält ein Denkmalobjekt im Landkreis Kulmbach. Außerdem hat die Jury noch fünf Anerkennungen zu je 5000 Euro für Objekte in anderen Regierungsbezirken ausgesprochen.
Die Preisverleihung erfolgt am 28. Juli 2009 in München durch Kultusminister Dr. Wolfgang Heubisch. Der Denkmalpreis würdigt die Initiativen des Fördervereins Schloss Burgtreswitz e. V. für den Erhalt des Schlosses durch zigtausend unentgeltliche Arbeitsstunden seines Bautrupps und die Bereitstellung erheblicher Vereinsgelder.”
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Kinderbücher im Heimatmuseum - Einladung
26.3.2009 von peter.staniczek.

(Plakatentwurf und Ausführung: Markus Roth)
Ausstellung vom 27. März bis 30. April 2009 im Heimatmuseum der Stadt Vohenstrauß zu den üblichen Öffnungszeiten und für Gruppen nach Voranmeldung.
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Eichen müssen weichen
20.3.2009 von peter.staniczek.
In der Stadt Vohenstrauß hat in letzter Zeit weitgehend unbemerkt von der Lokalpresse ein regelrechtes Baumsterben stattgefunden. Sicher haben die Stadtverwaltung, möglicherweise auch die Baumexperten des Stadtrats einsichtige Gründe für die Entfernung der Großbäume parat: Neugestaltung eines Parkplatzes (Siedlerstraße zw. Wallstraße u. Braunetsriether Weg), Neugestaltung des Platzes am Kriegerdenkmal bei der evangelischen Stadtkirche oder die Neugestaltung des Kleinparks an der Bahnhofstraße beim neuen Raiffeisenbankgebäude. Offensichtlich standen sie im Weg.
“Die ortsbildprägenden Ahorn- und Kastanienbäume an der evangelischen Kirche waren alle krank. So krank, dass sie durch Totholz und herabstürzende Äste eine Gefahr für Passanten hätten werden können. (Der neue Tag, 2.10.2008)” Dieses (”Totschlag”-)Argument gilt wohl auch für die anderen Gelegenheiten.
“Durch den eingeschränkten Lebensraum waren die Bäume in einer sehr schlechten Verfassung”, sagte Außendienstleiter Karl Frey. So gesehen, werden eine Menge weiterer Bäume in naher Zukunft aus dem Stadtbild verabschiedet werden, denn es sieht nicht danach aus, dass die Standortbedingungen in nächster Zeit geändert, geschweige verbessert würden.
Als Ersatz werden ein paar Alibi-Sträucher oder pflegeleichte, kaum nachwachsende Kleinbäume (Kugelahorne) in versenkte Betonschalen gepflanzt. Wichtiger ist das Ziel, durch Baumaßnahmen versiegelte, “großzügige, offene Plätze durch eine einheitliche Belagsgestaltung zu schaffen”: Platz für Parkplätze, Aufmärsche und Werbeanlagen.
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Sanierungsobjekt
17.3.2009 von peter.staniczek.

(entdeckt und fotografiert von Thomas Lingl am 18.03.2007)
Das “Sonnentor” oben abgeschnitten, weil es nicht mehr unter die neue Decke passt. Wäre interessant, den selben Ort nach Abschluss der Sanierung zu sehen - auch den Umfang der Plakatwerbung. Was würde Heinrich Heine (siehe unten links) dazu sagen?
- “Verwelkt, entblättert, zertreten sogar
Von rohen Schicksalsfüßen -
Mein Freund, das ist auf Erden das Los
Von allem Schönen und Süßen!”
(aus Deutschland. Ein Wintermärchen)
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Revision der Denkmalliste III - Beseitigung eines Baudenkmals
13.3.2009 von peter.staniczek.

Foto: Peter Staniczek, 21.04.2008
Der neue Tag: Abbruch eines Stalls
Auch dem Antrag auf denkmalschutzrechtliche Erlaubnis zur Beseitigung eines Baudenkmals in der Roggensteiner Straße 8 in Waldau über den Abbruch eines ehemaligen Stallgebäudes wurde stattgegeben und gab es keinerlei Bedenken.
(Quelle: Der neue Tag, 15.12.2008, Vohenstrauß. (dob) Werbetafeln mit und ohne Beleuchtung)

Foto: Peter Staniczek, 11.03.2009
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“Dieses geb ich zu Attest …” - Adel in der Oberpfalz
11.3.2009 von peter.staniczek.
Im Stadtmuseum Amberg hängt ein Kalksteinrelief des Bildhauers Georg Schweiger (1613-1690), das mit „großer Erzählfreude eine Fülle von Details“ wiedergibt, u.a. auch über die Lebensgewohnheiten des Adels im 16./17. Jahrhundert.
Hauptdarsteller des Reliefs ist der pfälzische Wittelsbacher Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz.
„Sein Vater, der evangelische Kurfürst Ludwig VI., starb 1583, als Friedrich neun Jahre alt war. Sein Onkel, Johann Casimir, setzte sich bei der Vormundschaft durch, und Friedrich wurde in der Lehre Kalvins erzogen. Seine Ehe mit Louise, der Tochter Wilhelms von Oranien, des Statthalters der Niederlande, brachte der Kurpfalz einen wichtigen Verbündeten in den Auseinandersetzungen mit dem Habsburger Kaiserhaus und der katholischen Kirche. Friedrich selbst war alles andere als eine Herrscherpersönlichkeit. Er liebte Jagdvergnügen, Maskeraden, Bälle und Glücksspiele um Geld.

(Quelle: Der Eisengau, 5/1995, Heimatkundl. Arbeitskreis Amberg-Sulzbach))
Hans von Schweinichen, der mit Herzog Heinrich von Liegnitz (Anmerkung: Schwiegervater des Pfalzgrafen Friedrich von Vohenstrauß, 1557-1597) 1593 einige Wochen am Hofe des damals 19jährigen Kurfürsten verbrachte, schrieb:
“Wir haben bei Pfalzgrafen in die dritte Woche stillgelegen und die ganze Zeit mit Saufen, Fressen und Tanzen zugebracht.” Friedrich ist “ein wunderlicher Herr, der nichts konnte als Saufen.”
Schon 1602, als sein Gesundheitszustand zu ernster Besorgnis Anlass gab, ordnete er die Huldigung seines sechsjährigen Sohnes Friedrich (des späteren Winterkönigs) an. 1610 starb er im Alter von 36 Jahren.
Im Studentenlied lebt er als jener “Kurfürst Friedrich von der Pfalz” fort, der “wütend wälzte sich im Bette”, weil er wieder in sein Tagebuch schreiben musste: “Heute wieder voll gewest”. Nun war übermäßiges Trinken damals eine weitverbreitete Unsitte an vielen Fürstenhöfen. Friedrichs Kammermohren, der ebenfalls in diesem Lied erwähnt wird, hat Schweiger ebenfalls mit ins Bild gebracht. Gekleidet in eine Art Lakaientracht mit enganliegendem, reich mit Rüschen besetztem Wams und weiter Kniebundhose läuft er mit einer Saufeder bewaffnet neben seinen Herrn.“
(Quelle: Otto Schmidt, Das Schweigerrelief im Amberger Stadtmuseum, in Der Eisengau, Band 5/1995, S. 71)
- Wütend wälzt sich einst im Bette
Wütend wälzt sich einst im Bette
Kurfürst Friedrich von der Pfalz
gegen alle Etikette
brüllte er aus vollem Hals
Wie kam gestern ich ins Nest?
Bin scheint´s wieder voll gewest!
Na, ein wenig schief geladen,
grinste drauf der Kammermohr,
selbst von Mainz des Bischofs Gnaden
kamen mir benebelt vor,
war halt doch ein schönes Fest:
Alles wieder voll gewest!
So? Du findest das zum Lachen?
Sklavenseele, lache nur!
Künftig werd ich’s anders machen,
Hassan, höre meinen Schwur:
’s letzte Mal, bei Tod und Pest,
war es, daß ich voll gewest!
Will ein christlich Leben führen,
ganz mich der Beschauung weihn;
um mein Tun zu kontrollieren,
trag ich’s in mein Tagbuch ein,
und ich hoff, daß ihr nicht lest,
daß ich wieder voll gewest!
Als der Kurfürst kam zu sterben,
machte er sein Testament,
und es fanden seine Erben
auch ein Buch in Pergament.
Drinnen stand auf jeder Seit:
Seid vernünftig, liebe Leut,
dieses geb ich zu Attest:
Heute wieder voll gewest
Hieraus mag nun jeder sehen,
was ein guter Vorsatz nützt,
und wozu auch widerstehen,
wenn der volle Becher blitzt?
Drum stoßt an! Probatum est:
Heute wieder voll gewest!
Text: August Schuster 1887
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oiso i machs jetzt scho …
9.3.2009 von peter.staniczek.
LaBrassBanda (Trompete, Posaune, Tuba, Bass und Schlagzeug), eine “Blasmusik” aus dem Chiemgau, die sich in keine gängige (Pop-, Jazz-, Volksmusik-, Folklore-, Bierzeltmuse-)Schublade stecken lässt. Sie begeisterte im (ausverkauften) Schafferhof das Publikum in unserer bayerischen Muttersprache, die ja nicht unbedingt im Musikantenstadl auf dem musikalischen Abstellgleis verkümmern sollte.
Beim Zoigl legt man die Instrumente beiseite und setzt sich unters Volk zum Anstoßen, bevor es mit dem Feuerwehrauto mit Traunsteiner Kennzeichen heimgeht.
Kostprobe (aus Sunliachtn):
- Oiso i find du sollts as einfach macha
ma scheißt sie doch eh an ganzn dog oiwei vei z vei umanand daßd as foisch macha kanntst
ja und dann machst as ned
oiso nia
oiso i machs jetzt scho
de mehra zeit …
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Obelisk bei(m) Hausfluss – Kunstexperiment in Neustadt an der Waldnaab
9.3.2009 von peter.staniczek.
Der Kunst- und Kulturverein „Hausfluss” präsentierte am Sonntag, dem 8. März 2009 bei kühler Witterung mit etwas Verspätung um 15.30 Uhr bei der ehemaligen Schießstätte das Ergebnis eines oberpfalzweiten Experiments mit acht freien Künstlern. Zwei Künstlerinnen waren bei der Präsentation anwesend, davon eine mit Verspätung, weil sie laut Handy-Mitteilung zunächst durch die Stadt Neustadt irrte, was aber nur die Einheimischen verwunderte.
Die Objektteile der acht Künstler und Künstlerinnen hatte Peter Troppmann zuvor schon mit seinen Helfern zur Skulptur „Obelisk” zusammengefügt. Jeder Künstler hatte zu dieser Aktion eigenständig einen Achtel-Holzkeil des Obelisken gestaltet. „Beim Zusammenfügen der Stücke sollte durch die Komplexität der räumlichen Zuordnungen eine Geschlossenheit erreicht werden, bei der die Skulptur als Solitär allein durch die Präsenz im freien Raum in ein dialogisches Verhältnis zum Umfeld tritt und einen neuen Außenraum definiert”, so der Vorsitzende. Mitwirkende Künstler sind die Bildhauerin und Objektgestalterin Herta Wimmer-Knorr, der Bildhauer Stefan Link aus Kallmünz, die Objektkünstlerin Sabine Sträub aus Regensburg-München, die Holzbildhauerin Eva Nemetz aus Regensburg, die Holzbildhauerin Irene Meier aus Weiden sowie die Szenografin und Innenarchitektin Stephanie Reiterer und der Innenarchitekt Peter Reiterer aus Regensburg.
War die Idee zu diesem Experiment schon hochinteressant, so kann das mit Spannung erwartete Ergebnis als gelungen bezeichnet werden: eine harmonische, heiter wirkende Skulptur, deren individuelle Einzelteile in ihrer unterschiedlichen farblichen, teilweise figürlichen Gestaltung und Stilistik zusammengesetzt, überraschenderweise einen perfekt wirkenden Solitär ergeben.
Ein Ausflug zum Hausfluss lohnt sich. Dass Kunst durchaus vergänglich sein kann, zumal wenn sie aus nachwachsenden Rohstoffen gestaltet und im Freien präsentiert wird, zeigen Objekte aus früheren Jahren, die am Fluss beim (Schieß-)Haus dem Kunsthimmel entgegen träumen. Also “schicken”!
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Vohenstrauß, Marktplatz 22 - Farbe, Form, Funktion - gute Architektur spricht für sich!
9.3.2009 von peter.staniczek.
In der Denkmalliste von 1986 wird das Anwesen Marktplatz 22 als “Traufseithaus, Mitte 19. Jh., Tor und Fenster rundbogig mit profilierten Rahmungen” beschrieben. Dürre Worte für ein zeitlos schönes Gebäude, das in Vohenstrauß zu den besterhaltenen, sorgsam sanierten Architektur-Objekten und Baudenkmälern des bürgerlichen Klassizismus und asomit bürgerlicher Kultur zählt.
Der alte Hausname “Färber” leitet sich aus der Besitzerfolge ab, nach der das Anwesen 1714 einem Bartholomäus Bibel und seinem Sohn Joh. Georg Bibel, Schwarz- und Schönfärbermeister, gehörte. Im Jahr 1792 ist ebenfalls ein Joh. Georg Bibel, Färbermeister und Bürgermeister, genannt. Der Färbermeister Johann Bibel ist um 1828 Besitzer. In seiner Zeit brennt die Stadt fast vollständig ab und wird in den folgenden Jahren wieder neu und “moderner” aufgebaut. Im Torbogen entdecken wir das Baujahr des heutigen Anwesens: JB 1840. Im Jahr 1859 ändert sich die Profession, Erhard Joh. Bibel wird als Brauereibesitzer bezeichnet. 18765 schließlich erscheint Karl Rasp als Brauereibesitzer, dito 1921/24. Hans Ochantel wird 1963 Besitzer.
Leider scheiterte die reizvolle Planung, in der ehemaligen Brauerei die städtische Bibliothek sowie die Volkshochschule unterzubringen: “Wir brauchen kein 15. Museum!”
Zeitgeist:
Als Beispiel für den Geist der damaligen Zeit steht das berühmte Zitat Goethes am Ende des “Faust“ (Der Tragödie zweiter Teil, fünfter Akt, Fausts letzte Worte):
- „Das ist der Weisheit letzter Schluß:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muß.
Und so verbringt, umrungen von Gefahren,
Hier Kindheit, Mann und Greis sein tüchtig Jahr.
Solch ein Gewimmel möchte ich sehn,
Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.”
Johann Wolfgang von Goethe: 1749 - 1832, Dichter, Theaterleiter, Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker, Staatsmann, bekanntester Vertreter der Weimarer Klassik
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