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Archiv der Kategorie Dialekt

Herbst - Zeit für Erdepfl

Herbst
Foto: Peter Staniczek

A kochts Rindfleisch mit Erdäpflgmöis
(Gekochtes Rindfleisch mit Kartoffelgemüse)

Rindfleisch heiß zusetzen;
1 Stunde Kochzeit;
salzen, 1 ganze Zwiebel und Pfefferkörner zugeben;
2 bis 3 Stunden ziehen lassen.

Dazu gibt es ein Erdäpflgmöis:
Erdäpfl schnitzeln;
in Salzwasser mit einem Lorbeerblatt kochen;
dunkles Einbrenn und “broune” Zwiebel vorbereiten;
Einbrenn mit Fleischsuppe angießen, sämig werden lassen;
mit Zucker, Essig, Salz (oder Brühwürfel) abschmecken;
Sahne oder Creme Fraiche unterrühren;
in diese Soße kommen die gekochten Erdäpfl;
Muskatnuß darüberreiben.

(Rezept, Gasthaus Bodensteiner in Tröbes, aufgezeichnet von Peter Staniczek)

Es ist Sommer! - (D´)Garschtn haout scho ei´ghaiglt

Garschtn haout scho eighaiglt
(Peter Staniczek, 11.07.2010)

Fachmännisch ausgedrückt: Der ährige Fruchtstand der Gerste mit ihren langen Grannen ist im reifen Zustand hängend (”ei´ghaigelt”).
Der Gerstenhalm mit seiner Ähre sieht aus wie ein “Haiglstecka” (Spazierstock mit rund gebogenem Griff).

Heimat Jersey?

Heimat Jersey
(Foto: Peter Staniczek, entdeckt nach der Fußball-Weltmeisterschaftsbegegnung England - Deutschland)

… owa am Schdeia hoggt a Owapfälza
oder
Three Lions - Out of Africa … (based on a true story)

… staoußt mi im Mai, kumm i glei

“Staoußt mi im April, kumm i, wann i will - staoußt mi im Mai, kumm i glei!”

Erdepflfeld bei Niederland
“Erdepflfeld” bei Niederland (Markt Moosbach), Foto: P. Staniczek, 25.05.2010

    Erdepfl in da Fröih, Middoch in da Bröih,
    Af d’ Nacht in de Heit, Erdepfl in Ewichkeit!

Nicht umsonst gehörte dieser typische Ausspruch lange Zeit zur „Erdäpfelpfalz”, wenn er auch vor allem für die Fastenzeit galt. Auch heute noch ist die Oberpfälzer Speisekarte ohne vielfältige Kartoffelgerichte nicht denkbar.

Die Kartoffel gelangte wahrscheinlich Anfang des 18. Jahrhunderts in die Oberpfalz (Anbau um 1690 auf zehentpflichtigen Höfen in Wiesau, Speinshart, Pullenreuth u. Falkenberg).
Einem „Kaufbrief über Wolf Peßl’s von seinen Eltern gekauften halben Hof zu Altenstatt” bei Vohenstrauß, einem Übergabevertrag, können wir entnehmen, dass dabei der Austragsbäuerin schon im Jahre 1729 das Recht, „im Garten 2 Beet Erdäpfeln” an zu bauen, gestattet wurde.
Lange Zeit hatte Kaimling in dem Ruf gestanden, die ersten Kartoffeln weit und breit angebaut zu haben. Der Gütler Zihlbauer von dort hatte im Jahr 1752 vier Napf Samenkartoffeln aus dem Schloss gestohlen und auf der Weinleite angebaut.
In den Hungerjahren 1769 bis 1772 wurde wohl durch die große Not der Wert der Kartoffel, die bis zu diesem Zeitpunkt eher vereinzelt als Viehfutter angebaut wurde, für die menschliche Ernährung erkannt.
Oberpfälzer Knödel kennen alle Besucher unserer Heimat, seidene Knödel, Kartoffelschmarrn, gebackene „Spotzn”, Kartoffelnudeln, Bauchstecherla, Zwetschgenknödel, Bröselbart, Sterzschopperla und Dotsch finden selbst die Einheimischen nur noch selten auf dem Mittagstisch.
Ein Denkmal für den Gastwirt, der solches wieder anstelle der unvermeidlichen Pommes Frites anbietet.

Anm.: staoußen = hier: stecken, pflanzen (von Saatkartoffeln in den Boden), sonst: stoßen

“Daou haut da Deifl sa Wei”,

sagt man, wenn es gleichermaßen regnet und die Sonne scheint. Scharfer Wind am Kalten Baum, Graupelschauer und Sonnenschein - Aprilwetter:

Da schlägt der Teufel seine Frau - daou haut da Deifi sa Wei!
(Foto Peter Staniczek)

“Oi Reiser macht koin Besen!” (Franz X. von Schönwerth)

Alles über Franz Xaver von Schönwerth finden Sie auf der abgebildeten Seite im Internet.

schoenwerth.de

Um den Veranstaltungskalender zu ergänzen, bitte ich um Mitteilung der schon fest terminierten bzw. geplanten Veranstaltungen im Landkreis Neustadt an der Waldnaab an

      peter.staniczek(at)t-online.de
      oder direkt an
      a.e.eichenseer(at)t-online.de

Ersetzen Sie (at) durch @.
Damit ein Besen draus wird.

“Gratisseidl fir Frankenbeitl”

Der Bürgermeister von Neustadt an der Waldnaab hatte vor kurzem eine originelle Vermarktungsidee. Unter der Überschrift “Freibier für Franken” lesen wir in “Der neue Tag” vom 11.03.2010: “Er will den Bockl(rad)weg und andere Freizeitrouten vor allem Radlern aus dem Fränkischen schmackhaft machen. Die Idee: Jeder, der sich in der neuen Saison als Tourist aus Mittel-, Ober- oder Unterfranken ausweisen kann, erhält am “Radlpoint” am Nachtmann-Gelände ein Freigetränk.”
In bester “Neihauser-Feierwehr-Kapelln”-Manier schuf Stadtrat Joe Arnold spontan den entsprechende Oberpfälzer Werbeslogan: “Gratisseidl fir Frankenbeitl” (Freibier für Franken).
Professor Dr. Ludwig Zehetner (Honorarprofessor für bairische Dialektologie an der Universität Regensburg), der erst kürzlich in Weiden aus seinen vergnüglichen Büchern las, würde wohl von “wunderbarer nordbairischer Poesie” sprechen.
Und den Franken gefällt es sicher auch, siehe Veitshöchheimer Fastnacht. Darauf ein

Freibier für Franken

Jeder Band von “Basst scho!” bietet Erläuterungen zu Bedeutung und Herkunft von Wörtern und Formen des Bairischen. Dem Autor gelingt dabei die Gratwanderung zwischen wissenschaftlicher Korrektheit und lockerem Plauderton. Dr. Ludwig Zehetner ist übrigens auch Mitbegründer und Ehrenvorsitzender der AFO (Arbeitskreis für Flur- und Kleindenkmalforschung
in der Oberpfalz e. V.).

“Goaßhaxn-Hexenhäuslwogn”

Berichterstattung. Der neue Tag, Pilfusek, Febr. 2010
Berichterstattung. Der neue Tag, Pilfusek, Febr. 2010

Beim Waldkircher (Gemeinde Georgenberg, Landkreis Neustadt an der Waldnaab) Faschingszug war auch oben angeführter “Goaßhaxn-Hexenheislwong” aus Flossenbürg vertreten. Als “Goashaxn” werden die Flossenbürger in der näheren Umgebung aufgezogen/geneckt, wobei sich die Flossenbürger bei ihren Nachbarn aus Waldkirch mit dem Ausdruck “Pfingsthörner” revanchieren. Natürlich waren auch die Pleysteiner “Pulverstoffel” dabei.
Die Waidhauser “Henglecker” sowie die Vohenstraußer “Scheeßenscheißer” waren dagegen nicht vertreten.

Ziehnest, Strah mit di Nest

Ziehnest
“Ziehnest” im Pfrentschweiher (Foto: Peter Staniczek)

Auf dem Foto ist ein Haufen “Ziehnest” zu sehen, ein Streuhaufen (Strahhaffa). Diese “Ziehnest” entstehen beim “Asnasten” der gefällten Bäume. Sie waren bei den Bauern früher sehr begehrt, weil man die “Strah” (Streu) zum “Eistrahn” (Einstreuen) gebrauchte.

Wo der Name Ziehnest oder Zinnest herkommt, konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen. Stammwort ist Äste (est), “zieh, zi” steht als nähere Erklärung davor, verbunden werden beide Teile durch ein “n”, damit man das Wort besser, flüssiger aussprechen kann: Zie-n-est, as-n-asten (einen Baum ausasten), N-est (Äste).
Anbieten würde sich zunächst das Verb “ziehen”, das aber in der Mundart “ze´ígn” gesprochen wird und deshalb wohl eher nicht in Frage kommt. Auch bei “Schmeller” habe ich nichts gefunden.

“Der 1. Juli 1895 brachte für Eslarn das größte Brandunglück zeit seines Bestehens.” So lesen wir in Hans Schlemmers Geschichte des Marktes Eslarn (S. 111). “Als der Tag mit einem richtigen Heuwetter begann, waren schon viele Männer von Eslarn nach der zur Heunutzung gepachteten, etwa 1 Stunde entfernten ´Pfrentschweiherwiesen´ geeilt. … In unmittelbarer Nähe der vielfach noch hölzernen menschlichen Behausungen mit Schindel- oder Strohbedachung lagerten die von der Sonnenhitze ausgetrockneten Holzvorräte für den kommenden Winter. … in der hinteren oberen Winklgasse (heute Ludwig-Müller-Straße) [war ein] 6jähriges Söhnchen allein zu Hause, spielte mit noch einem dazugekommenen gleichalterigen Kinde mit Zündhölzern am Schupfentor, bei dem einige Strohhalmedurch eine Spalte ins Freie ragten, und freute sich in kindlichem Unverstand, als die züngelnde flamme den Strohhalm hinauflief und hinterm Schupfentor verschwand, woher aber bald heller Feuerschein die 2 kleinen Übeltäter zum Davonlaufen veranlaßte.”

Dazu eine Aussage von Josefa Meckl (”Pöiterlsimmer”), überliefert von ihrer Tochter Elisabeth Zierer (Xantenmühle):

“In den Jouah, wou´s in Isling brennt haout, wor a groußer Windbruch am Stick. Daou hom d´Leit alle a dirre Straah (dirre Strahhaffa) daham ghat. Wei dann Kin(d)a zindelt hom im Winkl, haout se deswegn as Feier schnell asbreiten kinna.”
(In dem Jahr, als es in Eslarn gebrannt hat, war ein großer Windbruch am Stückberg. Die Leute hatten alle dürre Streuhaufen zu Hause. Als dann im Winkel Kinder gezündelt haben, konnte sich deshalb das Feuer schnell ausbreiten.)

Von „Haftlmachern“, „Gloifeln“ und „Bißgurn“

basst_scho

Der neue Tag, 28.11.2009: „Basst scho!“: Der Regensburger Dialektforscher Ludwig Zehetner präsentiert neueste Sprachfunde.
Aufgrund der regen Resonanz, die sich in zahlreichen Anrufen, Briefen und drei Auflagen binnen weniger Monate niederschlug, folgte nun „Basst scho! – Teil 2“ (Edition Vulpes)… Denn der Regensburger Sprachforscher besitzt die seltene Gabe, wissenschaftliches im derart lockeren Plauderton zu präsentieren, dass auch der Laie gebannt zuhört.

Unbedingt kaufen/lesen/verschenken, sehr empfehlenswert!