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Archiv der Kategorie Literatur
Vom Advent zum Trallala-Event
21.12.2009 von peter.staniczek.

Advent in der Wallfahrtskirche Fahrenberg (Foto: P. Staniczek)
Times They Are a Changing´ (Bob Dylan)
Come mothers and fathers all over this land
And don’t criticize what you can’t understand
Your sons and your daughter are beyond your command
Your old role is rapidly aging
Please get out of the new one if you can’t lend a hand
For the times they are a changing
Bob Dylan kam Anfang der 60er Jahre nach New York und wurde in kürzester Zeit zum Sprachrohr einer ganzen Generation junger Rebellen, denn die Zeiten änderten sich auch in den Vereinigten Staaten. Die Bewegung der 68er kündigte sich auch in Deutschland an, der obige Text war für die damalige Gesellschaft absolut revolutionär. Vier Jahrzehnte später scheint der Spuk vorbei, die Jugend wurde von der Konsumgesellschaft eingekauft, von den Politikern eingeseift und von der Freizeitindustrie nutzbringend vermarktet. Heute regiert mit dem Elan von damals der Konsum, das Freizeitverhalten wird bestimmt von der “Event”-Gesellschaft. Ob Bob Dylan mit seinem auch textlich unerreichten Song diese Entwicklung im Auge hatte? Wohl kaum, wenn man das ganze Lied anhört.
Plakatwände werben für (Scheiß-)Weihnachtsveranstaltungen (Fotos: P. Staniczek)
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Neue Streifzüge 31/2009 - kaufen, lesen, sammeln, verschenken
14.12.2009 von peter.staniczek.
Die neuen Streifzüge des Heimatkundlichen Arbeitskreises werden am Mittwoch, 16. Dez. 2009, 18:00 Uhr, im Heimatmuseum der Stadt Vohenstrauß vorgestellt. Danach sind sie auch an den üblichen Verkaufsstellen - Sparkasse, Buchhandlung Rupprecht, Heimatmuseum - käuflich zu erwerben.
Mit dem Heft steigen wir auch in das kommende Schönwerth-Jahr ein. Franz Xaver Schönwerth (ab 1859: Franz Xaver von Schönwerth; * 16. Juli 1810 in Amberg; † 24. Mai 1886 in München) gilt als der bekannteste Oberpfälzer Volkskundler.
Dazu gleich eine Berichtigung zu Seite 32: 1986 fand in der Sparkasse eine Wanderausstellung zum 100. Todestag, nicht zum 100. Geburtstag statt.
“Wer Glick hout, den kälbert der Stiefelknecht”
“Mit da Zeit ble´iha d´Hacksteck”
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Von „Haftlmachern“, „Gloifeln“ und „Bißgurn“
29.11.2009 von peter.staniczek.
Der neue Tag, 28.11.2009: „Basst scho!“: Der Regensburger Dialektforscher Ludwig Zehetner präsentiert neueste Sprachfunde.
Aufgrund der regen Resonanz, die sich in zahlreichen Anrufen, Briefen und drei Auflagen binnen weniger Monate niederschlug, folgte nun „Basst scho! – Teil 2“ (Edition Vulpes)… Denn der Regensburger Sprachforscher besitzt die seltene Gabe, wissenschaftliches im derart lockeren Plauderton zu präsentieren, dass auch der Laie gebannt zuhört.
Unbedingt kaufen/lesen/verschenken, sehr empfehlenswert!
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Wohl dem, der jetzt noch - Heimat hat!
16.11.2009 von peter.staniczek.
- Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein, -
Weh dem, der keine Heimat hat!
Friedrich Nietzsche, 1844-1900 (Vereinsamt, 1884)
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Des Winters Näh’ verrät ein Flockenpaar
27.10.2009 von peter.staniczek.

Wasserreservoir Vohenstrauß, erster Schnee im Oktober 2009 (Foto: P. Staniczek)
- Der erste Schnee
Herbstsonnenschein. Des Winters Näh’
Verrät ein Flockenpaar;
Es gleicht das erste Flöckchen Schnee
Dem ersten weißen Haar.
Noch wird - wie wohl von lieber Hand
Der erste Schnee dem Haupt -
So auch der erste Schnee dem Land
Vom Sonnenstrahl geraubt.
Doch habet acht! mit einem Mal
Ist Haupt und Erde weiß,
Und Liebeshand und Sonnenstrahl
Sich nicht zu helfen weiß.
Theodor Fontane
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Romantisch ist anders
16.4.2009 von peter.staniczek.
Der neue Tag, 16. April 2009, S.24:
“Radeln am neuen Kanal
Zwischen Hütten und Steinfels schlängelt sich romantisch das Wasser der Haidenaab durch den neu angelegten Kanal. Beidseitig ist die Trasse ein Teil des Haidenaabradweges, der gerne von Ausflüglern benutzt wird.”
- „Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnißvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisire ich es.“
(Novalis, eig. Friedrich von Hardenberg, 1772 - 1801)
Haben sich der Fotograf bzw. der Kommentator oder gar beide geschämt, ob ihrer Ansicht von der romantisch sich schlängelnden Haidenaab, weil sie ihre Urheberschaft verweigerten? Oder hat der Redakteur mit Tränen in den Augen über diese traurige Kanalisierung einfach versäumt, die Namen der euphorisierten Romantiker anzugeben?
Romantisch ist anders, ein Beispiel?
- Wünschelrute
Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.
(Joseph von Eichendorff, 1788-1857)
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Kinderbücher im Heimatmuseum - Einladung
26.3.2009 von peter.staniczek.

(Plakatentwurf und Ausführung: Markus Roth)
Ausstellung vom 27. März bis 30. April 2009 im Heimatmuseum der Stadt Vohenstrauß zu den üblichen Öffnungszeiten und für Gruppen nach Voranmeldung.
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Sanierungsobjekt
17.3.2009 von peter.staniczek.

(entdeckt und fotografiert von Thomas Lingl am 18.03.2007)
Das “Sonnentor” oben abgeschnitten, weil es nicht mehr unter die neue Decke passt. Wäre interessant, den selben Ort nach Abschluss der Sanierung zu sehen - auch den Umfang der Plakatwerbung. Was würde Heinrich Heine (siehe unten links) dazu sagen?
- “Verwelkt, entblättert, zertreten sogar
Von rohen Schicksalsfüßen -
Mein Freund, das ist auf Erden das Los
Von allem Schönen und Süßen!”
(aus Deutschland. Ein Wintermärchen)
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“Dieses geb ich zu Attest …” - Adel in der Oberpfalz
11.3.2009 von peter.staniczek.
Im Stadtmuseum Amberg hängt ein Kalksteinrelief des Bildhauers Georg Schweiger (1613-1690), das mit „großer Erzählfreude eine Fülle von Details“ wiedergibt, u.a. auch über die Lebensgewohnheiten des Adels im 16./17. Jahrhundert.
Hauptdarsteller des Reliefs ist der pfälzische Wittelsbacher Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz.
„Sein Vater, der evangelische Kurfürst Ludwig VI., starb 1583, als Friedrich neun Jahre alt war. Sein Onkel, Johann Casimir, setzte sich bei der Vormundschaft durch, und Friedrich wurde in der Lehre Kalvins erzogen. Seine Ehe mit Louise, der Tochter Wilhelms von Oranien, des Statthalters der Niederlande, brachte der Kurpfalz einen wichtigen Verbündeten in den Auseinandersetzungen mit dem Habsburger Kaiserhaus und der katholischen Kirche. Friedrich selbst war alles andere als eine Herrscherpersönlichkeit. Er liebte Jagdvergnügen, Maskeraden, Bälle und Glücksspiele um Geld.

(Quelle: Der Eisengau, 5/1995, Heimatkundl. Arbeitskreis Amberg-Sulzbach))
Hans von Schweinichen, der mit Herzog Heinrich von Liegnitz (Anmerkung: Schwiegervater des Pfalzgrafen Friedrich von Vohenstrauß, 1557-1597) 1593 einige Wochen am Hofe des damals 19jährigen Kurfürsten verbrachte, schrieb:
“Wir haben bei Pfalzgrafen in die dritte Woche stillgelegen und die ganze Zeit mit Saufen, Fressen und Tanzen zugebracht.” Friedrich ist “ein wunderlicher Herr, der nichts konnte als Saufen.”
Schon 1602, als sein Gesundheitszustand zu ernster Besorgnis Anlass gab, ordnete er die Huldigung seines sechsjährigen Sohnes Friedrich (des späteren Winterkönigs) an. 1610 starb er im Alter von 36 Jahren.
Im Studentenlied lebt er als jener “Kurfürst Friedrich von der Pfalz” fort, der “wütend wälzte sich im Bette”, weil er wieder in sein Tagebuch schreiben musste: “Heute wieder voll gewest”. Nun war übermäßiges Trinken damals eine weitverbreitete Unsitte an vielen Fürstenhöfen. Friedrichs Kammermohren, der ebenfalls in diesem Lied erwähnt wird, hat Schweiger ebenfalls mit ins Bild gebracht. Gekleidet in eine Art Lakaientracht mit enganliegendem, reich mit Rüschen besetztem Wams und weiter Kniebundhose läuft er mit einer Saufeder bewaffnet neben seinen Herrn.“
(Quelle: Otto Schmidt, Das Schweigerrelief im Amberger Stadtmuseum, in Der Eisengau, Band 5/1995, S. 71)
- Wütend wälzt sich einst im Bette
Wütend wälzt sich einst im Bette
Kurfürst Friedrich von der Pfalz
gegen alle Etikette
brüllte er aus vollem Hals
Wie kam gestern ich ins Nest?
Bin scheint´s wieder voll gewest!
Na, ein wenig schief geladen,
grinste drauf der Kammermohr,
selbst von Mainz des Bischofs Gnaden
kamen mir benebelt vor,
war halt doch ein schönes Fest:
Alles wieder voll gewest!
So? Du findest das zum Lachen?
Sklavenseele, lache nur!
Künftig werd ich’s anders machen,
Hassan, höre meinen Schwur:
’s letzte Mal, bei Tod und Pest,
war es, daß ich voll gewest!
Will ein christlich Leben führen,
ganz mich der Beschauung weihn;
um mein Tun zu kontrollieren,
trag ich’s in mein Tagbuch ein,
und ich hoff, daß ihr nicht lest,
daß ich wieder voll gewest!
Als der Kurfürst kam zu sterben,
machte er sein Testament,
und es fanden seine Erben
auch ein Buch in Pergament.
Drinnen stand auf jeder Seit:
Seid vernünftig, liebe Leut,
dieses geb ich zu Attest:
Heute wieder voll gewest
Hieraus mag nun jeder sehen,
was ein guter Vorsatz nützt,
und wozu auch widerstehen,
wenn der volle Becher blitzt?
Drum stoßt an! Probatum est:
Heute wieder voll gewest!
Text: August Schuster 1887
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“Daß die Heimat sie erreiche …”
5.3.2009 von peter.staniczek.
Anna Freymadl ging 1880 in Altötting in die “V. Kl. II. Abtl.”
Von ihr sind zwei Hefte erhalten, die offensichtlich der Schriftpflege dienten, die Verse ähneln denen aus den beliebten Poesiealben. Anna Freymadl muss allerdings zu Vohenstrauß eine Beziehung gehabt haben, denn erstaunlicherweise wurden die beiden wunderschön gestalteten Hefte hier bis heute aufbewahrt.
In den letzten hundert Jahren ist die lateinische Schrift zum Standard geworden. Der oben abgebildete Text liegt in lateinischer Schreibschrift vor, die sich nur in leichten Variationen von der heute verwendeten unterscheidet.
Wie auch die letzte Ausstellung im Heimatmuseum Vohenstrauß - “Vohenstraußer im 1. Weltkrieg” - gezeigt hat, besitzen viele noch alte Schriftstücke ihrer Vorfahren wie Feldpost, Besitzurkunden, Vereinsunterlagen, Tagebücher usw. Diese sind aber meist in Sütterlin bzw. deutscher Schrift geschrieben. Diese kann aber nur von den wenigsten übersetzt werden (sie wurde bis etwa 1941 an den deutschen Schulen unterrichtet).
Versuchen Sie im Folgenden den Text in Schreibschrift von Anna Freymadl aus dem Jahre 1880 zu entziffern. Ein Musteralphabet kann Ihnen dabei etwas Hilfe leisten, Anna hat makellos schön geschrieben.
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