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Archiv der Kategorie Dialekt

Oberpfälzer Redensarten

Oberpfälzer Rotvieh in der Gemeinde Tännesberg (Voitsberg)
(Foto: Peter Staniczek)

Das Bild veranschaulicht in unzweifelhafter Weise eine Redensart der Oberpfälzer, mit der sie darauf hinweisen, dass jemand zwei linke Hände habe:
“Du stöllst de a wöi d´Kouh zum Scheiß´n!”

Dazu noch zwei Brecht-Zitat zum Thema:

      “…Wer in der Stadt lebt, lebt in einem Traum,
      durchquert die Landschaft wie auf starren Gleisen,
      vorbei an Kühen, die beim Fressen scheißen.

      (Bertold Brecht - Kuh beim Fressen)

      “…Und während sie sich noch mit Heu versieht
      Entnimmt ihr einer Milch, sie duldet’s stumm
      Daß seine Hand an ihrem Euter reißt.

      Sie kennt die Hand, sie schaut nicht einmal um
      Sie will nicht wissen, was mit ihr geschieht
      Und nützt die Abendstimmung aus und scheißt.

      (Bertold Brecht - Kuh beim Fressen)

Kann man auf einer Bierwanderung verdursten?

Diese provozierende Frage stellt Jürgen Groß im Reiseteil der Süddeutschen Zeitung vom 20. August 2009.
Er hatte auf das Angebot des Tourismuszentrums Oberpfälzer Wald reagiert: “Wanderge(h)nuss vom Feinsten gibt’s auf der Bierwanderung. Die 92 km lange Rundwanderung durch die malerische Landschaft des Oberpfälzer Waldes führt vorbei an traditionellen Brauereien, uralten Burgen und natürlich an gemütlichen Biergärten. Aufgeteilt in 6 Etappen erlebt der Wanderer jeden Tag eine neue Besonderheit.”

Bierkrug
Bierkrug “Die Heimat” (Privatbesitz, aber wie geschaffen für den bierernsten Herrn Berlinger)

Die Wanderstimmung wollte sich aber von Anfang an nicht recht einstellen und so brach er die Bierwanderung nach einigen Enttäuschungen vorzeitig ab.
Gründe dafür: schlechte Streckenführung (entlang befahrener Straßen, durch Industriegebiete), geschlossene Gasthäuser (heute Ruhetag) vor allem um die Mittagszeit, unzuverlässige Markierungen, schlechte Busverbindungen, mangelhafter Gepäcktransfer und die Erkenntnis: “Auf dem Oberpfälzer Wanderweg des Biers ist es schwierig, ein solches zu bekommen.”

Das kam mir in Teilen durchaus bekannt vor, hatte doch erst kürzlich bei schönstem Herbstwetter im Biergarten von Marienthal am Regen eine sichtlich überforderte Bedienung uns die Speisekarte gar nicht erst angeboten mit den Worten: “Ihr wöllts ja eh nix essn!”
Dazu passt ein - wohl humorvoll gemeinter - Hinweis auf Oberpfälzer Gastlichkeit in nämlichem Gasthof:

        Was git´s heint z´essen?
        Erstens hoißt´s niat,
        wos git´s heint,
        sondern: git´s heint wos?
        und zwoatens git´s heint nix!

Im nördlichen Oberpfälzer Wald klingt es ebenso rau, aber herzlicher - liegt es am Zoigl, am “hochdeutsch” oder am Norbert Neugirg?

neugierg.jpg

Soll denn des a Kirwa sa?

Kirwaköichl
(Foto: P. Staniczek)

      O Kirwa lou niat nou,
      mir hom a nu a Fimferl dou.
      O Kirwa lou niat nou,
      bleib nu a bisserl dou!
      +++
      Drei Doch, drei Doch gemma nimma ham,
      gemma nimma ham,
      bis mei Mutter Köichla bacht
      und da Voda nouche tracht.

“Wenn der Wind waht iwer d´Howerhaim …

dann wird´s Herbst,” sagt meine Frau jedes Jahr und obwohl sie Recht hat, ärgere ich mich ein wenig darüber, dass der Sommer schon wieder vorbei sein soll.

Lindau zwischen Eslarn und Schönsee
(P. Staniczek: “In der Lindau”, Übersetzung: “Wenn der Wind über die Halme (Stoppeln) des Hafers weht …”)

“Die Heimat der Salmonelle ist nicht ausschließlich der Kartoffelsalat!”

Ich könnte weinen vor Freude, wenn ich solch pure Prosa erleben darf. Diese Hilfsdefinition von Heimat stammt von Gerhard Polt, leider weiß ich die Quelle nicht mehr. Beim Stöbern in meiner “Bibliothek” fand ich das Polt-Buch “Da schau her”, das mir meine Klasse 9a Weihnachten 1984 schenkte (Hallo Oli, Markus, Martin 4x, Andrea 2x, Karin, Sonja 2x, Gerlinde, Rita, Anton, Hans, Helmut, Bernhard, Bine, Regina, Kerstin, Alois, Petra, Wolfgang, Harald), dabei fand ich einen weiteren literarischen Höhepunkt zum Thema “Köstlichkeiten aus Küche und Keller”, speziell zur Salmonelle: “D´Anni hat also auch gsagt, sie würd a Salmonellenvergiftung jeder Fischvergiftung vorziehn.”

Wenn einem literarisch so Gutes widerfährt, kriegt man leicht einen Appetit und der Gang zum Zoiglwirt am Montag ist mit Vorfreude auf einen würzigen Leberkas im heimatlichen Wirtshaus unzertrennlich verschmolzen.

leberkas.jpg

Empfehlenswert! (Foto: Peter Staniczek)

        Apropos, ham Sie Thomas Hobbes gelesen? -
        Emmanuel Kant? - Thomas von Aquin? - Nicht?
        An Erasmus von Robespierre? Oder einen Simmel?
        Sie, des sind Bücher, da kann ich nur sagen:
        schaun S´amal nei …
        (Gerhardt Polt/Hanns Christian Müller, Da schau her, Haffmans1984)

„Fosend asackern“ und „Fosend agrom“ in Isling

Der neue Tag am 19.02.2009: Eslarn. (gz) Das Wirken der „Jesse-James-Big-Band“ erstreckt sich nur auf die Faschingszeit. Nach einigen Proben im Sportzentrum tritt das wild zusammengewürfelte und närrische Orchester aus vier Gemeinden heute zum „Fosend asackern“ und am Dienstag zum „Fosend agrom“ an die Öffentlichkeit.

asgrom95_pflug.jpg

Am naschn Pfinsta geht es in Isling (Eslarn, Ldkr. Neustadt a. d. Waldnaab) nach altem Brauch zum Fosend asackern und am Fosend-Irda zum Fosend agrom. (Übersetzung: Am närrischen Donnerstag geht es in Eslarn zum Fastnacht/Fasching ausackern und am Fastnacht/Faschings-Dienstag zum Fastnacht/Fasching eingraben.)

asgrom95_musi.jpg
fast schon historische Fotos: Peter Staniczek (2) - 23.02.1995 in Eslarn

Minimal-Konversation

Zwei Oberpfälzer treffen sich nach längerer Zeit, der eine fragt nach dem Befinden des andern. Dazu bedarf es nur weniger Worte.

und_wei_mou1.jpg

Die Idee zu obiger Montage kam mir, nachdem ich in Ottis Schlachthof den Kabarettisten Hannes Ringlstetter über die Eigenheiten und die Kargheit des Dialekts hinter (bzw. nördlich von) Regensburg und dem Pfaffensteiner Tunnel sprechen und singen (Alles dout ma wei…) hörte.
Zum besseren Verständnis der gestürzten Diphthonge: “wei” wird beide Male wie “wäi” gesprochen und heißt einmal “wie?” und das andere Mal “alles tut mir weh…”; “mou” heißt hochdeutsch “muss”.

I´m so lonesome, I could cry …

Richtig! Elvis an Silvester auf 3sat. Natürlich Anflug von Sentimentaltät in der Reha (Bad Griesbach), der aber dank “Long tall Sally” und Telefonverbindung mit E. nicht lange anhält.
Ein gutes, vor allem gesundes neues Jahr wünsche ich allen meinen Freunden und Besuchern dieser Seite.
Elvis lebt! Gruß auch an b.o.s.s.

“auffa” und “herum”

stueckberg_buch

Dieser Eintrag ins Gipfelbuch des Stückberg-Aussichtsturms bei Eslarn (Landkreis Neustadt an der Waldnaab) dürfte wohl von einem Besucher aus dem Schönseer Land getätigt worden sein, ein Eslarner hätte den Mundartausdruck “affa” benutzt.
(Übersetzung: “Herauf heißt das! Und jetzt sind wir heroben.” - “Affe” bedeutet übrigens “hinauf”.)

Kuckuck, wo bist du?

Der Kuckuck ist/war der Vogel des Jahres 2008 und wird 2009 abgelöst vom “fliegenden Edelstein”, dem auch in unserer Region vorkommenden Eisvogel. Ausführliche kulturhistorische Betrachtungen finden sich auf den Seiten des NABU (Naturschutzbund Deutschland e.V.)
Ein Kindervers aus der Oberpfalz macht nicht nur meinen Enkeln im Zwiegespräch eine Menge Spaß:

- Kuckuck, wo bist du?
- Aam Baam druum!
- Wos frisst du?
- An Speek!
- Gi ma a wos!
- An Dreek!

Reed Warbler feeding a Common Cuckoo chick in a nest. Photo: Per H. Olsen
(wikipedia: Reed Warbler feeding a Common Cuckoo chick in a nest. Photo: Per H. Olsen)