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Archiv der Kategorie Heimatgeschichte

Unersetzliches Flurdenkmal durch Ignoranz zerstört

Schon im vergangenen Winter wurde bei Waldarbeiten zwischen Vohenstrauß und Braunetsrieth ein Flurkreuz zerstört, das auf einen Unfall beim Bau der Vorgängertrasse der jetzigen B14 hinwies.
Das Unfallgeschehen wurde auf einer Inschrifttafel aus sog. Schwarzglas dargestellt, ein Unikat, das schon einmal beschädigt, wieder repariert und nun endgültig verloren gegangen ist - ein unersetzlicher Verlust.

Pauschen-Kreuz, Foto P. Staniczek, 1982
Pauschen-Kreuz, Inschrifttafel aus Schwarzglas, Foto P. Staniczek, 1982

Das Pauschen-Kreuz erinnert an das Unglück, dass dem Fuhrwerksbesitzer Pausch widerfuhr. Dieser arbeitete beim Ausbau der ersten Vorgängertrasse der jetzigen B 14 mit. Sein Sohn Karl kam dabei unter ein Wagenrad des väterlichen Wasserwagens.

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Pauschen-Kreuz, “Schule und Heimatpflege”, Foto P. Staniczek, 1982

Straßenkarte aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts
‘Straßenkarte aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts, farbig: Verlauf der Autobahn A 6 (Via Carolina)

Das Waldgebiet nördlich des Taucherhofs hat von alters her den Namen Gstaudach. Dieser Flurname hängt mit dem Begriff Staude (Buschwerk) zusammen. Das Waldstück wurde durch eine Straße geteilt, die Strass uf Lam (Lohma), welche von Vohenstrauß zur Renn Stras verlief und ein Stück östlich vom Taucherhof einmündete. Weil aber die Fuhrleute meistens Vohenstrauß nur passierten, und nicht durch den Markt selbst fuhren, wurde dem Pfleger im Jahr 1656 anbefohlen, an die Straß, die von Vohenstrauß vorbeigeht, eine Säule aufrichten zu lassen, damit sich die Fuhrleut keiner Unwissenheit zu entschuldigen haben. Hier wurde denn auch der fällige Zoll erhoben.
Parallel zu diesem Abstecher verlief ab 1901 über das Krapfenbergl die spätere Landstraße von Vohenstrauß über Lohma nach Waidhaus, zuletzt als mehrfach ausgebaute und begradigte Bundesstraße B 14.
Neuerdings verläuft zwischen den beiden älteren Trassen, teilweise diese überdeckend, die Bundesautobahn A 6, was natürlich gewaltige Eingriffe in die bestehende Kulturlandschaft notwendig machte.
Die Autobahnstrecke verläuft auf hoch aufgeschüttetem Damm über den ehemaligen Fränkls Weihr, der inzwischen zur Fränklsweiherwiese verlandet war. Die alte Renn Stras aber ging an dieser Stelle schon 1544 über den Weiherdamm des Franken zu Praunetsried.
Jetzt liegt die historische Altstraße an dieser Stelle gewissermaßen tief unten und wird in einem gewaltig dimensionierten Tunnel unter der neuen Autobahn durchgeleitet.
Einige Meter neben der Säule befindet sich der alte Michlbach-Durchlass. Das Bächlein fließt nach Süden durch das anschließende Landschaftsschutzgebiet Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald der Pfreimd zu.

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Pauschen-Kreuz, Standort am Waldrand des “Gstaudach” auf Braunetsriether Seite, Foto P. Staniczek, 1982

Pauschen-Kreuz, Schülerarbeit “Schule und Heimatpflege”, 1982/83, Repro: P. Staniczek
Pauschen-Kreuz, Schülerarbeit (Ausschnitt) “Schule und Heimatpflege”, 1982/83, Repro: P. Staniczek

Lehrer und Aufschläger

“1817 war der „mit Ruhm” bekannte „Schullehrer und Aufschläger” Joseph Ritter „im 73. Jahre seines tätigen Lebens dahingeschieden”, wie wir auf dem von seinem Schwiegersohn und Nachfolger Johann Michael Allio gesetzten, nun in die Außenmauer der neuen Friedhofkapelle eingelassenen Gedächtnisstein lesen können. Allio wirkte 3 Jahre als Hilfslehrer und 40 Jahre als Lehrer in Eslarn und starb als „Liebling des Magistrats” am 16. Juli 1854.” (aus Hans Schlemmer, Geschichte des Marktes Eslarn, 1960, 31)

Die aktuelle Debatte ließe vermuten, dass der Schullehrer Ritter auch einer war, der ab und zu seine Schutzbefohlenen mit oder ohne Stock/Rute gezüchtigt bzw. geschlagen hat. Aber Aufschläger war die Berufsbezeichnung für einen Erheber der Akzisen (Zoll), der indirekten Aufwandssteuern, z. B. der Biersteuer. Joseph Ritter war also nebenberuflich Steuereinnehmer.

Lehrer und Aufschläger
Schullehrer und Aufschläger, Friedhofkirche Eslarn, Foto: P. Staniczek

Bei Josef Hanauer, dem neben Hans Schlemmer zweiten bedeutenden Eslarner Chronisten, finden wir weitere Aufschlüsse über den Schullehrer Josef Ritter sowie den “Liebling des Magistrats” Michael Allio:

“Seit 1771 war der Schulunterricht dem Lehrer Georg Joseph Ritter anvertraut. Er war selbst gebürtiger Eslarner, dessen Vater ebenfalls die Lehrerstelle in Eslarn innegehabt hatte. Ritter, Vater von fünf Kindern, wird als tüchtiger und fleißiger Mann bezeichnet. Neben seinem Dienst als Lehrer machte er noch den Kantor beim Gottesdienst; außerdem versah er den Mesnerdienst. Am 2. Juni 1814 wurde er in den Ruhestand versetzt, und zwar nach 51-jähriger Dienstzeit. 43 Jahre davon hatte er als Lehrer in Eslarn verbracht. Als er den Schuldienst aufgab, war er 72 Jahre alt.
Sein Nachfolger wurde der bisherige Schulgehilfe Michael Allio. Dieser hatte bereits im Jahr 1812 den Auftrag erhalten, den 70-jährigen Lehrer Ritter im Kirchendienst als Kantor zu unterstützen. Das Schulhaus besaß damals lediglich ein einziges Zimmer. Dieses war in Anbetracht der großen Schülerzahl viel zu klein. Der Lehrer verfügte nur über ein einziges Wohnzimmer. Überdies befand sich das Schulhaus in einem äußerst schlechten Zustand. Von Jahr zu Jahr wurde das Gebäude ruinöser. Im Jahr 1814 besaß der Lehrer nicht einmal ein ordentliches Wohnzimmer, viel weniger ein Nebenzimmer oder eine Kammer. Dem Gehilfen Allio diente das einzige Schulzimmer als Wohn- und Schlafstätte. Auch nachdem er als Lehrer angestellt worden war, änderten sich die üblen Zustände nicht. In einem einzigen Raum mussten 236 Kinder unterrichtet werden. Weil das Schulzimmer zu klein war, wurde der Plan gefasst, das Nebenzimmer mit dem Unterrichtsraum zu vereinigen und dem Lehrer dafür ein Zimmer über dem Keller zu bauen. Das Schulzimmer wurde zwar im Jahr 1806 durch Vereinigung mit dem Nebenzimmer zu hinlänglicher Größe gebracht, aber ein Zimmer für den Lehrer zu bauen, hielt man für überflüssig. Am 29. Juli 1816 kamen Vertreter des Landgerichts Vohenstrauß mit Vertretern des Marktes Eslarn zusammen. Dabei wurde den Eslarnern vorgehalten, „dass das hiesige Unterrichtslokal einem Schafstalle gleiche, und daher einer Reparatur dringend bedürfe, dass die Wohnung des Lehrers und des Mesners jener eines Schäfers ähnlich sei”. Erst im Jahr 1818 wurde der Anbau des geplanten Zimmers für den Lehrer vorgenommen. Aber damit war nicht viel gedient; denn dieser Anbau wurde nicht zu Ende geführt und war darum unbewohnbar. Im Jahr 1834 beschwerte sich deswegen Lehrer Allio bei der Schulinspektion in Eslarn. Dem Lehrer mit seiner Familie und dem Lehrgehilfen stand damals nur ein einziges kleines heizbares Zimmer zur Verfügung. Im Jahr 1839 wurde beschlossen, das Schul- und Mesnerhaus auszubauen. Dabei war ein gesondertes Zimmer für den Schulgehilfen vorgesehen. Der Anbau wurde tatsächlich noch im Jahr 1839 erstellt.”
(aus Josef Hanauer, Heimatbuch Eslarn,1975,190-191)

… staoußt mi im Mai, kumm i glei

“Staoußt mi im April, kumm i, wann i will - staoußt mi im Mai, kumm i glei!”

Erdepflfeld bei Niederland
“Erdepflfeld” bei Niederland (Markt Moosbach), Foto: P. Staniczek, 25.05.2010

    Erdepfl in da Fröih, Middoch in da Bröih,
    Af d’ Nacht in de Heit, Erdepfl in Ewichkeit!

Nicht umsonst gehörte dieser typische Ausspruch lange Zeit zur „Erdäpfelpfalz”, wenn er auch vor allem für die Fastenzeit galt. Auch heute noch ist die Oberpfälzer Speisekarte ohne vielfältige Kartoffelgerichte nicht denkbar.

Die Kartoffel gelangte wahrscheinlich Anfang des 18. Jahrhunderts in die Oberpfalz (Anbau um 1690 auf zehentpflichtigen Höfen in Wiesau, Speinshart, Pullenreuth u. Falkenberg).
Einem „Kaufbrief über Wolf Peßl’s von seinen Eltern gekauften halben Hof zu Altenstatt” bei Vohenstrauß, einem Übergabevertrag, können wir entnehmen, dass dabei der Austragsbäuerin schon im Jahre 1729 das Recht, „im Garten 2 Beet Erdäpfeln” an zu bauen, gestattet wurde.
Lange Zeit hatte Kaimling in dem Ruf gestanden, die ersten Kartoffeln weit und breit angebaut zu haben. Der Gütler Zihlbauer von dort hatte im Jahr 1752 vier Napf Samenkartoffeln aus dem Schloss gestohlen und auf der Weinleite angebaut.
In den Hungerjahren 1769 bis 1772 wurde wohl durch die große Not der Wert der Kartoffel, die bis zu diesem Zeitpunkt eher vereinzelt als Viehfutter angebaut wurde, für die menschliche Ernährung erkannt.
Oberpfälzer Knödel kennen alle Besucher unserer Heimat, seidene Knödel, Kartoffelschmarrn, gebackene „Spotzn”, Kartoffelnudeln, Bauchstecherla, Zwetschgenknödel, Bröselbart, Sterzschopperla und Dotsch finden selbst die Einheimischen nur noch selten auf dem Mittagstisch.
Ein Denkmal für den Gastwirt, der solches wieder anstelle der unvermeidlichen Pommes Frites anbietet.

Anm.: staoußen = hier: stecken, pflanzen (von Saatkartoffeln in den Boden), sonst: stoßen

Denkmalsanierung - Glockenturm aus dem Baumarktsortiment

Glockenturm sorgt für Ärger
Zentrale Bußgeldstelle wirft Stadt Vohenstrauß bei Erneuerung vorsätzliches Handeln vor
Oberlind. (sa) Bürgermeister Andreas Wutzlhofer ärgerte sich in der Bürgerversammlung über ein Schreiben der Zentralen Bußgeldstelle. Darin wird der Stadt vorsätzliches Handeln bei der Erneuerung des Glockenturms in Obernankau vorgeworfen.

Durch die unfachgemäße Erneuerung soll der Holzturm seinen Charakter als Baudenkmal eingebüßt haben und musste daher aus der Denkmalliste gestrichen werden. Tatzeitpunkt sei zwischen 25. Februar und 30. März gewesen. Wutzlhofer wies die Vorwürfe vehement als unbegründet zurück. Nachdem im Januar Regina Rössler aus Obernankau auf den schlechten Zustand des Glockenturms hingewiesen hatte, gab es am 24. Februar eine Besichtigung mit Oberkonservator Raimund Karl vom Landesamt für Denkmalpflege und Kreisheimatpfleger Peter Bantelmann. Dabei wurde wegen Instabilität einer Erneuerung zugestimmt, unter der Voraussetzung, dass das Dachteil und verwendbare Teile erhalten bleiben. Gestattet wurden die Auswechslung der seitlichen Stützbalken, die Entfernung der alten Brettverschalung und die Verzapfung der inneren Balkenkonstruktion. Karl erteilte gleichzeitig die mündliche Erlaubnis zur Erneuerung. Unter Anleitung von Außendienstleiter Karl Frey fertigten Fachleute genau nach den Vorgaben das neue Glockengerüst. Wutzlhofer sah insofern kein Fehlverhalten der Stadt.

Glockenturm von Obernankau - Sanierung (?) eines Denkmals
Glockenturm von Obernankau - Sanierung (?) eines Denkmals? (Foto: Peter Staniczek)

Die Denkmalbehörden sehen es etwas anders. Unabhängig vom formalen Ablauf der Denkmal-Maßnahme ist vom ehemaligen Denkmal nichts übrig geblieben. Die Authentizität und Ausstrahlung des Dorfmittelpunkts ist einer Baumarkt-Atmosphäre gewichen. Dem Sterben der alten Bauernhäuser folgt das Sterben der alten Kapellen (z. B. Moosbach-Gröbenstädt) und Glockentürme. Der Glockenturm wird aus der Denkmalliste gestrichen, ein historisches, identitätsstiftendes Merkmal in unserer sakralen Landschaft weniger!

Glockenturm von Obernankau, 14. Juli 2003, Foto: Hannes Sennert
Glockenturm von Obernankau, 14. Juli 2003, Foto: Hannes Sennert

Zeugnisse heimischen Brauchtums

Peter Staniczek berichtete über Totenbretter - Kleinodien ins Bewusstsein gerückt - Kirchsteig

Oberviechtach-Langau. (lg) Wenn sich die Ortsbewohner von Mitterlangau oder Oberlangau früher auf den Weg zur Kirche nach Pullenried machten, dann hatte jedes der Dörfer seinen Kirchsteig, der meist ziemlich gerade durch den Wald in das Pfarrdorf führte. Bei der Erschließung des Goldlehrpfads wurden auch diese traditionellen Verbindungen der beiden Langauer Ortschaften in Teilstücken markiert und in das Wanderwegenetz einbezogen.
Der offizielle “Jungfern-Marsch” auf diesem rund vier Kilometer langen Falzbach-Weg erfolgte am vergangenen Sonntag (16. Mai 2010) durch eine Wandergruppe mit Bürgermeister Heinz Weigl und Wolfgang Ruhland an der Spitze. Letzterer hat sich bei der Erschließung dieser Wanderwege besonders verdient gemacht und konnte somit auf markante Punkte der Route aufmerksam machen.

Totenbretter bei Oberlangau, Foto: Georg Lang, Oberviechtach
Totenbretter bei Oberlangau, Foto: Georg Lang, Oberviechtach

Den historischen Part bei der Wanderführung übernahm der Kreisheimatpfleger aus Vohenstrauß, Peter Staniczek, der die Langau wie seine Westentasche kennt. Das hängt damit zusammen, dass er als Kreisheimatpfleger im benachbarten Landkreis Neustadt an der Waldnaab bei Zeiten seine Fühler auch in das Oberviechtacher Stadtgebiet hereinstreckte und besonders Kleindenkmäler wie Feldkreuze, Marterl und Totenbretter unter die Lupe nahm. Die Teilnehmer der “Jungfern-Wanderung” kamen aus den Staunen nicht heraus, welche Vielzahl an solchen religiösen Zeugnissen die Kirchwege nach Pullenried säumen.

Bildstock mit Gusskreuz am Mitterlangauer Kirchsteig, Foto Georg Lang, Oberviechtach
Bildstock mit Gusskreuz am Mitterlangauer Kirchsteig, Foto Georg Lang, Oberviechtach

Ziel der Wanderung, die ein Stück weit am romantischen Falzbach mit seinem klaren Wasser entlangführte, waren die Totenbretter von Oberlangau, die am Waldrand beim Röslohbach bzw. Falzbach zusammengefasst sind. Hier sind ganz neue Totenbretter im Gedenken an jüngst verstorbene Oberlangauer aufgestellt, aber es sind auch schon völlig vermoderte Bretter zu sehen, die vom Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts stammen. Auf diesen wurden wohl noch Verstorbene aufgebahrt, bevor man sie auf der Route des besagten Kirchsteigs mit einem Gespann zum Pullenrieder Friedhof brachte. Mit der Errichtung eines Leichenhauses in Pullenried hörte dieser Brauch aber auf.

Totenbretter der Fam. Herrmann und Zach bei Oberlangau, Foto: Georg Lang, Oberviechtach
Totenbretter der Fam. Herrmann und Zach bei Oberlangau, Foto: Georg Lang, Oberviechtach

Ursprünglich waren es die Totenbretter der Familien Herrmann (Röisl) und Zach (Deierl), wusste Peter Staniczek zu berichten, der einst alle Flurdenkmäler der benachbarten Gemeinde Eslarn erfasst hatte. Die Oberlangauer Totenbretter sind waagrecht an Bäumen oder Gerüsten angebracht; sie sind schmucklos und weisen ein einfaches Kreuz in der Mitte auf. Links davon sind die Daten des Verstorbenen festgehalten, rechts vom Kreuz ist ein Spruch aufgemalt. Weiter südlich, z.B. schon bei der vier Kilometer entfernten Neumühle, sind die Totenbretter stehend platziert.

Der Brauch wird heute noch vielerorts in Ostbayern als Gedenken an die verstorbenen Angehörigen gepflegt. Früher dienten die Bretter aber der Aufbahrung des Verstorbenen im Trauerhaus, bevor der Leichnam zum Friedhof gebracht wurde. Das Totenbrett selber sollte vermodern, eine Erneuerung oder besondere Pflege desselben war nicht vorgesehen, denn so lange das Brett existierte, konnte die Fegefeuer-Zeit des Verstorbenen dauern. Um den Vermoderungsprozess zu beschleunigen wurden die Bretter zum Überqueren eines Grabens benutzt. Dabei gedachte man aber immer des Verstorbenen mit einem Gebet und verringerte somit die Dauer des Fegefeuers.

Bildstock mit Gusskreuz und Totenbrettern am Mitterlangauer Kirchsteig, Foto Peter Staniczek, 1984
Bildstock mit Gusskreuz und Totenbrettern am Mitterlangauer Kirchsteig, Foto Peter Staniczek, 1984

Wegbeschreibung
Die Oberlangauer Totenbretter-Gruppe kann leicht mit dem Auto erreicht werden und als Ausgangspunkt für eine Wanderung genutzt werden. Man muss etwa auf halber Strecke zwischen Mitterlangau und Oberlangau links in einen Wirtschaftsweg abbiegen, der schnurgerade zum Waldrand führt. Dort sind die Totenbretter mit einer Info-Tafel angebracht. Vor hier führt auch eine gut sichtbare Markierung auf dem Kirchsteig zu dem kleinen Falzbach, der in etwa 200 Metern mit seinem braunen Kiesbett auftaucht. Unterhalb der Totenbrettergruppe vereinigt sich der Falzbach mit dem ebenso schmalen Rösllohbach und beide münden dann noch vor Mitterlangau in die Murach, die hier allerdings auch erst ein bescheidenes Bächlein ist. (lg = Georg Lang, Oberviechtach)

Kaslachsreuth oder Kazlesmühl

hieß der Ort, von dem noch der Überrest des alten Mühlrades stammt. Die erste Ortsbezeichnung stammt aus dem 14. Jahrhundert, die zweite aus dem 18. Jahrhundert. Die Mühle gibt es nicht mehr, der Name wurde geändert, ein Idyll ist geblieben.

kazlesmuehl
(Foto: Peter Staniczek)

“Herzlichen Glückwunsch, Thomasgschießer”

Bayerns lustigster Ortsname war gesucht worden und Thomasgschieß wurde von den Zuschauern der Sendung des BR “Wir in Bayern” zum Sieger gewählt. Auf den Plätzen landeten Pumpernudel und Katzenhirn. “Zur Feier des Tages wird kräftig geodelt.” Die Moderatoren schütteln sich vor Lachen.

Thomasgschieß (Foto P. Staniczek)
Thomasgschieß auf ebenem Weg von Bruckhof (Foto: Peter Staniczek)

Natürlich stellt sich die Frage nach der Bedeutung des Ortsnamens Thomasgschieß.

Dazu befragte man zunächst die Ortsbewohner des Ortsteils der Gemeinde Eslarn (Landkreis Neustadt/Waldnaab). Sogar Jesus wird bemüht, der, als er einen Hirsch sieht, gerufen haben soll: “Thomas schieß!”
Der Bürgermeister von Eslarn hat eine andere Erklärung, die er wohl dem “Heimatbuch Eslarn” von Josef Hanauer (2. Auflage, 1990) entnommen hat. Bei Hanauer heißt es:

    Gelegentlich wurde das Wort “Thomasgschieß” aus dem Slawischen abgeleitet; es wird als “Thomaskreuz” gedeutet. Aber es liegt kein Grund vor, auf das Slawische zurückzugreifen; denn “schieß” ist deutscher Herkunft und bedeutet so viel wie “abschüssige Stelle”.

Der Bürgermeister ergänzt: Man konnte nur bergab in den Ort gelangen.
Dem widerspricht der Zugang von Bruckhof aus, der recht eben nach Thomasgschieß führt.
Fast alle Orte im Oberpfälzer Wald haben eine so genannte Ökotopengrenzlage (Hansjörg Küster, Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa, München 1996, S. 177) am halben Hang, d. h. unterhalb zum Wasser im Tal die Wiesen, oberhalb die Äcker. Die Abschüssigkeit ist fast überall gegeben.

In Archiv von BR-online finden Sie Erklärungen von Dr. Wolf Armin v. Reitzenstein zu mehreren Ortsnamen.
Reitzenstein stellt eine Analogie zu einem Ort im Landkreis Cham her, nämlich dem Ort “Gschieß”. Dieser Name gehe auf ein mhd. Wort zurück und sei die Bezeichnung für die Giebelseite eines Gebäudes. Eine Gebäudeform, die also dazu geführt habe, dass man die Siedlung danach benannt habe. Hier sei der Besitzer namens Thomas vorangestellt worden, der den Ort besessen hat.

Leider habe ich die Bezeichnung Gschieß als Giebelform eines Gebäudes bisher außer bei Reitzenstein nur einmal im Internet gefunden: “Dabei stammt Gschieß vom mittelhochdeutschen Wort geschiez (Giebelseite eines Gebäudes) ab.”
Ich kann mir darunter nichts Rechtes vorstellen. Weder in Thomasgschieß noch in Trasgschieß (Stadt Vohenstrauß, Waldau) ist mir in dieser Hinsicht etwas Besonderes aufgefallen. Thomas als Besitzer eines Gebäudes mit besonderer Giebelform?

Hat der Thomas etwa gar “a Gschieß gmacht”? Martina Schwarzmann erklärt auf YouTube wie “Gschieß macha” abläuft:

Schlagen wir im Historischen Atlas von Dieter Bernd (München 1977) nach, finden wir einige Angaben zu dem Ort Thomasgschieß:

    Nach einer Beschreibung von 1596 umfasste das Pflegamt Pleystein folgende Ortschaften: …Burkhardsrieth, …Lohma, …Pfrentsch, …Thomasgschieß, …
    Ein Zinsregister von 1454 lässt erstmals im Zusammenhang die mit der Grundherrschaft zum Pflegamt Pleystein gehörenden Besitzungen sowie die Zehntrechte dieses Amtes erkennen: … als öd und verlassen werden die Ortschaften Braunetsrieth, Hagendorf, Lohma, Reinhardsrieth, Spielhof, Thomasgschieß und Weißenstein bezeichnet.
    Aus einem Salbuch des Amtes Pleystein von 1560 wird die Wiederaufbautätigkeit in den folgenden hundert Jahren sichtbar: …Thomasgschieß ist öd,; es soll auf 2 Höfe wieder erbaut werden.

Interessant wird es, wenn wir uns im Historischen Atlas dem Ortsnamen Trasgschieß zuwenden:

    Als Ulrich von Waldau zu Waldau seinen Söhnen 1483 einen Teil seiner Güter überließ, sind Besitzungen in den … zur Herrschaft gehörenden Ortschaften … Trasgschieß (Dresgesies) … genannt.

“Dresgesis” klingt nach “Gesess”. Im ältesten Leuchtenberger Lehenbuch werden die Besitzverhältnisse für die Zeit vor 1396 angesprochen. Es gab Güter, Lehen und ein “gesess zu Dressenveld mit seiner Zugehörung”, ein Herrensitz, auf dem Heinrich von Dressenvelt “gesessen” hat. (Quelle: Karl Ochantel, Der Burgstall Tresenfeld, in 60 Jahre Oberpfälzer Waldverein Vohenstrauß, 1985, s. 118)

Gesess, Gesis, Gschieß - meiner Meinung nach die logischste Bedeutungsableitung:
Thomasgschieß wurde benannt nach dem Herrensitz (Gesess) des Thomas, der den Ort wohl gründete und besessen hat.

Prager Straße - Mittelalterliche Fernstraße bei Neuwirtshaus (Vohenstrauß)

Prager Straße - Mittelalterliche Fernstraße bei Neuwirtshaus (Vohenstrauß) - P. Staniczek
Prager Straße - Mittelalterliche Fernstraße bei Neuwirtshaus (Vohenstrauß)

Im Volksmund “die Alte Heeresstraße”, auf historischen Karten “Prager Straße”, lokalgeschichtlich auch “Rennweg” genannt, erstreckt sich die frühmittelalterliche Fernstraße von Westen (Rhein-Main-Gebiet) über Nürnberg, Vohenstrauß und Waidhaus nach Pilsen, Prag weiter nach Osten. Zahlreiche Turmhügelburgen, urkundlich belegte Geleitrechte, Märkte, Städte belegen die Bedeutung und Wichtigkeit dieser kürzesten und meistbenutzten Ost-West-Verbindung. Auch die Bundesstraße B 14 und die Autobahn A 6 (Via Carolina) verlaufen logischerweise auf der Trasse dieser historischen Verbindung.
Daran kann auch der immense Verwertungsdruck einer vom Tourismus-Management aus dem Hut gezauberten “Goldenen Straße” (positives Bild) nichts ändern, die aus der historisch bedeutendsten Prager Straße eine “Verbotene Straße” (negatives Bild) propagiert. Nicht ganz unschuldig sind die Anliegergemeinden sowie deren Tourismus-Management, denn es geschieht wenig, um den Ruf der alten Trasse aufzuwerten.

“Unsterblich duften die Linden”

“Wenn der Wanderer auf der Heerstraße von Vohenstrauß nach Wernberg, in der Richtung von Ost nach West zieht, befindet er sich auf dem Grat eines langgestreckten Bergrückens, der zu beiden Seiten ziemlich steil abfällt, und unten rechts das liebliche Lerautal, links das wildromantische Tal der schauerlichen Pfreimd bilden hilft. Sind diese Wasser jetzt auch nicht mehr bedeutend, so waren sie in der Vorzeit um so gewaltiger, da sie tiefe Schluchten in den harten Felsen zu graben vermochten. - Hebt sich das Auge, so sieht es sich bald in die Vergangenheit zurückversetzt beim Anblick der trauernden Trümmer einst herrlicher Burgen, mit denen ringsum die Berghöhen gekrönt sind; vor allem leuchten ihm die stolzen Mauern und Türme der alten Veste der weiland durchlauchtigsten Landgrafen von Leuchtenberg entgegen, da wo der Grat gegen die Naab hin sich abdacht; und neben ihm läuft die Spur der alten Handelsstraße, auf welcher ehedem in der Zeit regeren Verkehrs die Landgrafen den Kaufleuten das Geleit gaben. Da nun, hart an der Straße, zu linker Hand, steht ein einsamer Baum, eine Steinlinde, vor sich einen kleinen Teich, viel mehr Pfuhl, im Rücken einen Einödhof; hier weht der Wind Tag und Nacht, Sommer und Winter, in kalten Strömen, oft in der Stimme des heulenden Sturmes oder des grollenden Donners, und ewig bewegt sich das Laubdach des Baumes und teilt den Schauer des frierenden Wanderers. Darum heißt es hier: beim kalten Baum.” (Franz Xaver von Schönwerth, Aus der Oberpfalz III, 1869, S. 339f)

Der Kalte Baum, Rudolf Schieder, Öl-Spachtel-Technik
“Der Kalte Baum”, Rudolf Schieder, Öl-Spachtel-Technik (Repro: P. Staniczek)

Schönwerth schreibt weiter, dass dieser kalte Baum schon 1361 in einer Grenzbeschreibung der ehemaligen Landgrafschaft Leuchtenberg urkundlich erwähnt worden sei. Erst Illuminatus Wagner, der sich wie kein anderer mit der Leuchtenberger Geschichte befasste, beweist in seiner “Geschichte der Landgrafen von Leuchtenberg” (Kallmünz, 1953) dass es sich erstens nur um eine Grenzbeschreibung des Landgerichts Leuchtenberg handelt und diese zweitens ohne Jahreszahl und Datum ist. Im 16. Jahrhundert kam es zu Grenzschwierigkeiten zwischen der Kurpfalz und Leuchtenberg, während deren Verlauf kurpfälzische Beamte den Kalten Baum umhauen ließen. Als sich der leuchtenbergische Kanzler Dr. Johann Federl unter anderem bei seinem kurpfälzischen Kollegen Dr. Reimer beschwerte, musste dieser am 29. Oktober 1596 eingestehen: “Des kalten Peumels wisse er selbst wohl, dass ers gesehen, und sey mit dem Abhaun Unrecht geschehen.” (Leucht. Gerichtslit. Nr. 58 im H.-St. Archiv München, laut Wagner)

Nach dem Streit muss ein neuer Baum gepflanzt worden sein, denn 1612 wird das “Kalte Bäuml” wieder erwähnt. Der schon genannte leuchtenbergische Kanzler Dr. Federl berichtet, dass er am 12. Mai 1612 “… oben bei Kalten Bäuml” das Geleit für den böhmischen König Mathias übernommen habe. Er erwähnt desgleichen einen Vertrag vom 27. Juni 1606, auf Grund dessen der Grenzbaum wieder errichtet worden sei.
Zu Beginn des dreißigjährigen Krieges muss das “Kalte Bäuml” verdorrt sein, denn in den Jahren 1637 und 1642 wird dem Gerichtsschreiber von Leuchtenberg aufgetragen, “daß anstatt des abgedorrten sogenannten Kalten Bäumbls, das die Grenzmarkung gegen Vohenstrauß anzeigt, ein anderes Päumbl dahin gepflanzt werden solle”. (Staatsarchiv Amberg, L 4932 Nr. 51, laut J. Betz in “100 Jahre BLLV, Vohenstrauß 1962)
Nimmt man an, dass sich der Gerichtsschreiber bei der letzten Anordnung nicht solange Zeit ließ wie beim ersten Mal, dann könnte unser heutiger Baum immerhin schon über 360 Jahre (1642 bis 2010) alt sein. Er ist also mindestens der dritte “Kalte Baum”, der uns archivalisch belegt an dieser Stätte auf dem Grat zwischen Pfreimd und Lerau, an der uralten Handelsstraße zwischen Nürnberg und Prag begegnet. (ausführliche Beschreibung: Peter Staniczek, Der Kalte Baum - Geschichten, Mythen und Sagen)

Soviel zu dem Leserbrief von Frau Anneliese Igl aus Weiden in Der neue Tag vom 30.12.2009: “…und wünsche ihm, dass er noch viele, viele Jahre steht und grünt!”

“Salznebel hin, Salznebel her, man müsse sich damit abfinden, dass ein alter Baum nach Jahrhunderten einmal sterbe. Unter dem Gelächter der Zuhörer meinte der Forst- und Landwirt: “Die Aktion kommt mir vor, wie wenn man einem alten Mann Viagra gibt. Er macht nu a paar Zucka, und dann ist Schluss.” (Von (wb), 12.12.2009, Netzcode: 2119412, Oberpfalznetz/Der neue Tag)
Mit obiger Aussage wird Alfons Gollwitzer aus Woppenrieth (Markt Waldthurn, Lkr. Neustadt/Waldnaab) zitiert. Alfons Gollwitzer ist Landwirt, Kulturpreisträger des Landkreises, bekannt als Volksmusikant und “Oldtimer-König”.

“Unsterblich duften die Linden: dreihundert Jahre komme die Linde, dreihundert Jahre stehe sie, dreihundert Jahre gehe sie, sagt der Volksmund.” (Thomas Plän, in Lindenzeit, Buch & Kunsrverlag Oberpfalz, Amberg 1991)
Damit stünde unser Kalter Baum nicht einmal in der in der Mitte seines Lebens, er ist Zeitzeuge der großen Heerzüge seit dem Dreißigjährigen Krieg, er ist Grenzbaum und Wegmarke, als Sagenbaum überblickt er das große, geheimnisvolle Geisterrevier des Elm und die ebenfalls geheimnisvolle Stätte des “Heller Stein” bei Steinach. Tausend Jahre kann er alt werden, wenn er seinem Status als Naturdenkmal gemäß unterstützt, geschützt und bewahrt wird, beispielsweise vor der sog. Verkehrssicherungspflicht.

Ausschnitt Landkarte “Prager Straße”, 1623, StAA Plan 3100, Krausen 538
‘Ausschnitt Landkarte “Prager Straße”, 1623, StAA Plan 3100

“Archäologen finden 7000 Jahre altes Beil”

vermeldete eine dpa-Nachricht, die u. a. auch in Der neue Tag am 9. Dezember 2009 gleich zweimal veröffentlicht wurde. Es handelte sich dabei um einen Fund, der in einem vorgeschichtlichen Feuersteinbergwerk nahe Abensberg gemacht wurde.
Ein Steinbeil ist ein geschliffenes Beil (Axt, wenn mit Bohrloch ausgestattet) aus kristallinem Gestein oder Feuerstein und gehörte zu den wichtigsten Werkzeugen der Jungsteinzeit (ab ca. 5000 v. Chr.).

Auch das Heimatmuseum der Stadt Vohenstrauß besitzt ein solch seltenes Werkzeug. Der Fund wurde bei Straßenbauarbeiten in der Gemarkung Pfrentsch (Marktgemeinde Waidhaus) in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts entdeckt.

Steinbeil Heimatmuseum Vohenstrauß
(Foto: Peter Staniczek)